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Das "Porträt der Madame X" als Ballett

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Das "Porträt der Madame X" als Ballett

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Ein Gemälde hat den Briten Christopher Wheeldon zu seiner jüngsten Choreografie am Londoner National Opera House inspiriert: Das “Porträt der Madame

Ein Gemälde hat den Briten Christopher Wheeldon zu seiner jüngsten Choreografie am Londoner National Opera House inspiriert: Das “Porträt der Madame X” von John Singer Sargent, das Ende des 19. Jahrhunderts in Paris für Skandal sorgte. Es zeigt Amélie Gautreau, eine junge Dame der feinen Gesellschaft in lasziver Pose mit einem tief ausgeschnittenen schwarzen Satinkleid und juwelenbesetzten Trägern. Viel zu gewagt für damalige Verhältnisse, noch dazu für eine verheiratete Frau.

Christopher Wheeldon: “Ich verliebte mich in das Gemälde, als ich es im Metropolitan Museum in New York sah, und war fasziniert von all dem, was den Skandal um das Bild auslöste: ihre Haltung, ihr heller Teint vor dem dunklen Hintergrund, ihre Kurven.”

Auf einer der ersten Versionen des Bildes war ein Träger des Kleides über die Schulter gerutscht, was für helle Aufregung sorgte. Sargent kontte das Bild korrigieren, aber der Skandal war nicht mehr zu bremsen, zum Leidwesen der Amélie Gautreau.

Natalia Osipova: “Es war eine persönliche Tragödie für sie. Heute mag das lächerlich erscheinen. Aber je mehr ich mich damit befasse, desto klarer wird, wie furchtbar es für sie war. Jemand hat den Willen, etwas zu verändern und wird von der Gesellschaft zurückgestoßen und geächtet.”

Natalia Osipova und Edward Watson übernehmen die Hauptrollen des Balletts. Watson spielt den Maler John Singer Sargent.

Edward Watson: “Interessant ist, dass alle, die mit diesem Bild zu tun haben, ihm zum Opfer fallen. Die Reaktionen auf das Porträt verändern ihr Leben unwiederbringlich. Sargent glaubt, das er ein fantastisches Bild malen wird. Amélie posiert für ein Bild, von dem sie hofft, dass es sie auf perfekte Weise darstellen wird. Es ist erstaunlich, was das Kunstwerk mit ihnen anstellt.”

“Strapless” heißt das Ballett in Anspielung an den verruchten Träger des Kleides der “Madame X” und steht ab sofort am Royal Opera House in London auf dem Spielplan.