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Fifa-Präsidentschaftskandidat Prinz Ali: "Wir müssen gründlich aufräumen"

Inmitten der schlimmsten Krise ihrer Geschichte wählt die FIFA am 26. Februar einen neuen Präsidenten. Gebeutelt durch eine Reihe von

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Fifa-Präsidentschaftskandidat Prinz Ali: "Wir müssen gründlich aufräumen"

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Inmitten der schlimmsten Krise ihrer Geschichte wählt die FIFA am 26. Februar einen neuen Präsidenten. Gebeutelt durch eine Reihe von Korruptionsskandalen in den vergangenen Jahren sucht das Führungsgremium des Weltfußballverbandes einen neuen Chef. Fünf Kandidaten wetteifern um den Top-Job. Prinz Ali bin al-Hussein, ein ehemaliges FIFA-Exekutivkomitee-Mitglied, geht gegen Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa, Gianni Infantino, Tokyo Sexwale und Jérôme Champagne ins Rennen. Euronews traf den jordanischen Prinzen in Genf.

Meinung

Ich würde am ersten Tag meiner Präsidentschaft dafür sorgen, den Garcia-Report zu veröffentlichen.

euronews-Reporter Andy Robini: “Ihre Hoheit, danke, dass Sie bei uns sind. Es ist ein turbulentes Jahr für die FIFA gewesen. Aufgrund der Korruptionsskandale scheint der Fußball-Weltverband seine Glaubwürdigkeit verloren zu haben. Wie kann die FIFA ihr angeschlagenes Image wieder aufpolieren?”

Prinz Ali bin al-Hussein:
“Durch eine echte Änderung in der Kultur der Organisation. Mit Offenheit, Transparenz in Taten und nicht nur in Worten. Ich würde daran von innen arbeiten. Ich komme von einem Nationalverband. Ich wäre aber auch offen für Hilfe von außen, um den Weltverband in Organisationsdingen auf das Niveau des 21. Jahrhunderts zu bringen. Dann könnten wir uns auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist, und das ist die Entwicklung des Sports.”

euronews:
“Sie erwähnen ‘Entwicklung’ und sprechen von ‘Transparenz’. Sie kritisieren eine Struktur, von der Sie ein Teil waren. Sie waren vier Jahre lang Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees. Warum sollten die Menschen Ihnen trauen?”

Prinz Ali bin al-Hussein:
“Ich wurde von meinem Verband gewählt, der eine schwierige Zeit durchlief. Ich erkannte, dass es ein echtes Problem gab. Deshalb wollte ich nicht im Exekutivkomitee bleiben. Ich hatte zwei Möglichkeiten: Entweder ganz zu gehen oder für einen echten Wandel im Fußball zu kämpfen. Deshalb kandidierte ich als Präsident und versuche es durchzuziehen. Ich bin nicht auf die anderen Kandidaten fokussiert. Mir sind die nationalen Verbände wichtig. Ich will sie dorthin zurückbringen, wo sie sein wollen: in einer wahrhaft respektierten und vertrauenswürdigen Organisation.”

euronews:
“Ich verstehe, dass die anderen Kandidaten Sie nicht interessieren. Aber vor Kurzem wurden alle Fünf zu einer Fernsehdebatte eingeladen, um sich öffentlich aneinander zu messen. Sie haben abgelehnt, warum?”

Prinz Ali bin al-Hussein:
“Das war eine von der Europäischen Union organisierte Debatte. Ich hatte beschlossen, teilzunehmen. Aber dann erhielt mein Kampagnenbüro einen Anruf vom Vorsitzenden der Wahlkommission, der sagte, es gäbe bestimmte Mitglieder in Europa, die der Meinung wären, das könnte ein Interessenkonflikt bzw. eine Störung sein. Aus Rücksicht auf unsere Fußballverbände entschied ich mich dann, nicht daran teilzunehmen. Das war der einzige Grund, sonst bin ich total offen für eine Debatte. Ich denke, das wäre gut, aber sie sollte mit allen Kandidaten sein. Und dabei bin ich mir bewusst, dass es Kandidaten gibt, die sogar die Idee einer öffentlichen Auseinandersetzung ablehnen.”

euronews:
“Haben Sie da bestimmte Kandidaten im Kopf?”

Prinz Ali bin al-Hussein:
“Dazu sage ich nichts, aber ich denke, es ist ziemlich offensichtlich.”

euronews:
“Kandidat Scheich Salman befürwortet beispielsweise offen eine klare Trennung der betrieblichen und der geschäftlichen Felder der FIFA – was er ‘Fußball FIFA’ und ‘Business FIFA’ nennt. Was halten Sie von dieser Idee?”

Prinz Ali bin al-Hussein:
“Ich denke, wir brauchen beispielsweise eine echte richtige Struktur und einen effektiven Vorstandsvorsitzenden. Noch einmal, ich wäre ein aktiver Präsident. Wir befinden uns in einer Zeit der Krise und ich denke, was wir aus der Vergangenheit gelernt haben, ist, dass das größte Problem ist, dass der Chef der Organisation nicht die Verantwortung dafür übernimmt, was im Fußball-Weltverband geschieht. Ich würde die volle Verantwortung dafür übernehmen, was in der FIFA geschieht.”

euronews:
“Viele glauben, die FIFA wäre zu groß, um sie zu kontrollieren. Wenn Sie Präsident würden, würden Sie den Weltfußballverband umstrukturieren?”

Prinz Ali bin al-Hussein:
“Ja, ich würde Menschen miteinbeziehen, die nichts mit Fußball zu tun haben, um uns das erste Jahr zu beraten und uns bei der Umstrukturierung zu helfen, um den Verband fit für das 21. Jahrhundert zu machen. Menschen mit einer tadellosen Integrität und mit Erfahrung aus vorherigen Beschäftigungen. Sicherlich müssen wir uns um eine Umstrukturierung kümmern, dass was funktioniert, müssen wir nicht ändern. Aber es gibt viel Raum für Verbesserungen, und dafür möchte ich sorgen.”

euronews:
“Mit Blick auf die Person, die Sie vielleicht ersetzen – Sepp Blatter, der für alle fußballbezogenen Aktivitäten gesperrt wurde: Hat Sie diese Suspendierung geschockt, oder haben Sie es kommen sehen?”

Prinz Ali bin al-Hussein:
“Ich habe nichts kommen sehen, aber ich wusste, dass etwas am Verband faul war, das erkannte ich an der Atmosphäre und der Unternehmenskultur. Es ist bedauerlich, es ist wirklich eine Schande, dass es dazu kommen musste, dass Behörden in der Schweiz und den Vereinigten Staaten in die Geschehnisse eingreifen mussten. Wir müssen den Verband gründlich aufräumen.”

euronews:
“Glauben Sie, dass die USA ihre Zuständigkeit bei der Verfolgung von korrupten FIFA-Funktionären überschritten haben?”

Prinz Ali bin al-Hussein:
“Nun, es geht ganz klar um ‘kriminelle Aktivitäten’. Es ist eine Schande, dass es dieses Stadium erreicht hat und, wie ich bereits sagte, ich würde mit den Behörden sprechen und ich würde mir wünschen, dass auch die FIFA mit ihnen zusammenarbeitet, um diesen Prozess schnellstmöglich zu beenden, denn wir wollen weitermachen und den Fußball entwickeln. Aber mir ist bewusst und ich denke, die Behörden wollen einen Präsidenten, der sich wirklich dafür einsetzt, bei der FIFA aufzuräumen, und ich bin diese Person.”

euronews:
“In Bezug auf ‘Aufräumen’ kennen Sie den Garcia-Report? Wird er je veröffentlicht?”

Prinz Ali bin al-Hussein:
“Ich war, wie Sie bereits erwähnten, vier Jahre im Exekutivkomitee und ich war der Erste, der dazu aufrief, den Garcia-Report zu veröffentlichen. Aber selbst als Mitglied des Exekutivkomitees war es mir nicht erlaubt, ihn zu sehen, das ist unglaublich, aber das war die Realität zu dieser Zeit. Wenn wir über zukünftige Weltmeisterschaften sprechen, müssen wir wissen, was in der Vergangenheit passiert ist, und das steht im Garcia-Report. Ich würde also sofort, am ersten Tag meiner Präsidentschaft dafür sorgen, den Garcia-Report zu veröffentlichen.”

euronews:
“Sie sind der dritte Sohn des verstorbenen Königs Hussein von Jordanien. Sie haben einmal gesagt, Ihr Vater hatte eine ‘entwaffnende Ehrlichkeit’ und eine ‘unerschütterliche Integrität’. Haben Sie diese Eigenschaften geerbt? Und glauben Sie, seine Persönlichkeit hilft Ihnen, ein besserer Präsident zu sein als Ihre Vorgänger?”

Prinz Ali bin al-Hussein:
“Sicherlich bin ich damit aufgewachsen. In meinem Leben ist er mein größtes Vorbild. Er lehrte mich auch, dass der Dienst am Menschen das Allerwichtigste ist. Das möchte ich für den Fußball tun.”