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Anschlag von Ankara: Türkei macht Kurdenmilizen PKK und YPG verantwortlich, außerdem syrische Regierung

Der Anschlag in Ankara mit 28 Toten geht laut dem türkischen Regierungschef Ahmet Davutoğlu auf das Konto der syrisch-kurdischen

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Anschlag von Ankara: Türkei macht Kurdenmilizen PKK und YPG verantwortlich, außerdem syrische Regierung

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Der Anschlag in Ankara mit 28 Toten geht laut dem türkischen Regierungschef Ahmet Davutoğlu auf das Konto der syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheit YPG und der der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte, die Ermittlungen deuteten auf die syrischen Kurden.

Davutoğlu erklärte, ein syrisches YGP-Mitglied sei über die Grenze in die Türkei gekommen, um den Selbstmordanschlag auszuführen, so Davutoğlu in einer Fernsehansprache. Letztlich sei die syrische Regierung direkt verantwortlich, man behalte sich das Recht vor, Schritte gegen Damaskus vorzunehmen, so der türkische Regierungschef. Neun Personen seien festgnommen worden.

Er verlangte von der internationalen Gemeinschaft, die YGP als Terrororganisation einzustufen. “Wo die Täter herkommen und wie sie sich organisierten, dazu werde ich keine Details nennen, aber wir wissen alles, und wir werden unser Wissen mit allen Ländern teilen. Ich werde das Außenministerium anweisen, alle wichtigen Dokumente an die anderen Länder und speziell die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates zu senden. Und wir werden gegen alle protestieren, die sagen, die YPG sei keine Terrororganisation. Wir erwarten Solidarität.”

Unter anderem die USA haben immer wieder klargemacht, dass sie die YPG nicht als Terrororganisation ansehen.

Die syrisch-kurdische Partei PYD, deren bewaffneter Arm die YPG ist, wies die Anschuldigungen Davutoğlus zurück. Ein Sprecher der Partei sagte, die Türkei versuche, die Kämpfe im Norden Syriens zu verschärfen. Die YPG sehe die Türkei nicht als Feind an, so Saleh Muslim von der PYD gegenüber Reuters.



Türkei verhängt Nachrichtensperre

Türkische Medien berichteten schon zuvor von einem syrischen YPG-Angehörigen als mutmaßlichem Täter. Das habe die Analyse von Fingerabdrücken ergeben. Er sei womöglich als Flüchtling in die Türkei gekommen. Inzwischen wurden neun Personen festgenommen.

Die türkische Regierung verhängte aus Gründen der “nationalen Sicherheit” eine Nachrichtensperre über den Anschlag, die aber nicht offizielle Verlautbarungen betrifft.


HDP verurteilt Anschlag

Cemil Bayik, ein Vertreter der PKK wiederum sagte gegenüber der kurdischen Nachrichtenagentur Firat, er wisse nicht, wer hinter dem Anschlag stecke. Das Attentat könne aber eine Reaktion auf die “Massaker in Kurdistan” sein. Die PKK wolle aber keinen Krieg mit der Türkei, so Bayik laut der Agentur.

Die prokurdische HDP verurteilte den Anschlag. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagt, die HDP stehe der PKK nahe.


Anschlag auf türkischen Militärkonvoi

Türkische Kampfjets bombardierten inzwischen PKK-Stellungen im Nordirak. Außerdem detonierte am Morgen im kurdisch geprägten Südosten der Türkei ein Sprengsatz neben einem Militärkonvoi im kurdisch geprägten Südosten der Türkei. Sieben Angehörige der Sicherheitskräfte kamen ums Leben.


Weltweite Kondolenzen, auch aus Russland

Die deutsche Kanzlerin Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier reagierten entsetzt auf den Bombenanschlag. “Die Bundesregierung verurteilt diesen neuerlichen terroristischen Akt auf das Schärfste”, sagte Merkel nach einer Mitteilung des Bundespresseamtes. Auch die EU und die USA verurteilten die Tat. Das Außenministerium in Washington teilte mit, man bestätige dem Nato-Partner Türkei im Kampf gegen die gemeinsame Bedrohung durch den Terrorismus aufs Neue die starke Partnerschaft beider Länder.

Auch Russland kondolierte der Türkei. Der Anschlag mache deutliche, dass alle Länder vereint gegen den internationalen Terrorismus kämpfen müssten, so das russische Außenministerium.

Davutoğlu sagte wegen des Anschlags die Teilnahme an einer Gesprächsrunde zur Flüchtlingsfrage in Brüssel ab.