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Matheformel gegen Verschwörungstheorien

Die Welt ist komplex, vieles lässt sich ohne eingehendes Studium nur schwer begreifen. Da scheinen Verschwörungstheorien hilfreich. Sie liefern

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Matheformel gegen Verschwörungstheorien

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Die Welt ist komplex, vieles lässt sich ohne eingehendes Studium nur schwer begreifen. Da scheinen Verschwörungstheorien hilfreich. Sie liefern einfache Antworten auf komplexe Fragen. Leider sind die Antworten in den meisten Fällen falsch, und in nicht wenigen Fällen sind sie schlichtweg gefährlich. Kann man etwa den Glauben an die hohle Erde, die gefälschte Mondlandung oder an Chemtrails noch als harmlose Spinnerei abtun, wird es bei der Ablehnung von Impfungen oder Krebstherapien schon gefährlicher. Und wenn auch Staaten wie Russland im Propagandakrieg massiv auf Verschwörungstheorien setzen, kann dies gravierende Folgen haben, ganze Bevölkerungsschichten werden mit erlogenen Informationen in die Irre geführt und aufgehetzt.

Der Krebsforscher David Robert Grimes von der Universität Oxford hat nun eine mathematische Formel entwickelt, mit der sich die Plausibilität von Verschwörungstheorien berechnen lässt. Dabei geht es davon aus, dass eine Verschwörung auffliegt, je mehr Personen daran beteiligt waren und je mehr Zeit verstreicht. Eine Verschwörung etwa, bei der nur wenige Personen mitmachen, die dann auch noch recht früh sterben, ist ziemlich gut dagegen gesichert, aufzufliegen. Wenn die Konspiratoren nach 60 Jahren noch leben, kommt das Komplott so gut wie sicher ans Licht.


Komplexe mutmaßliche Verschwörungen, an denen zum Beispiel Regierungen einschließlich der Geheimdienste und anderer Institutionen beteiligt sind, Komplotte, in die ganze Industrien verstrickt sind mit zahllosen potentiellen Mitwissern, sind der Formel zufolge nicht über einen längeren Zeitraum zu verbergen.

Hätte die Mondlandung nicht stattgefunden, wäre das nach knapp drei Jahren aufgeflogen. Genau so lange hätte man ein Impf-Komplott oder geheime Krebstherapien geheimhalten können. Eines wird die Formel aber wohl nicht ändern: Wer fest an Verschwörungstheorien glaubt, den kann man bekanntlich weder durch Fakten noch durch Formeln von den Tatsachen überzeugen.

Bericht von Grimes
Artikel bei Watson
Artikel von Grimes beim Guardian
Grimes-Profil auf der Seite der Uni Oxford
Arte-Bericht über russische Propaganda