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Ikaria, die Insel des langen Lebens - was ist das Geheimnis?

Zur Zeit sind griechische Inseln in der Ägäis vor allem bekannt als Zufluchtsorte für Bootsflüchtlinge, die von der nahegelegenen Türkei aus

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Ikaria, die Insel des langen Lebens - was ist das Geheimnis?

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Zur Zeit sind griechische Inseln in der Ägäis vor allem bekannt als Zufluchtsorte für Bootsflüchtlinge, die von der nahegelegenen Türkei aus übersetzen.

Eine dieser Inseln ist Samos; gleich daneben liegt aber Ikaria – eine Insel, die ihre weltweite Berühmtheit einer ganz anderen Tatsache verdankt: Die gut achttausend Menschen hier leben außerordentlich lange und sind dabei auch noch länger gesund.

Über Ikaria berichtete daher schon 2012 die amerikanische Zeitung “The New York Times”. Nach einer dort zitierten Studie werden die Ikarianer zweieinhalb Mal so häufig 90 Jahre alt wie Menschen in den USA. Bei den Männern liegt der Wert sogar bei fast vier Mal.

Schön und gut – aber wie machen die das? Sechs Erklärungsversuche:

1. Sie bewegen sich

Ikaria 318

Sie bewegen sich aber nicht im Fitnessstudio, das es auf Ikaria auch sowieso kaum gibt. Wichtigster Wirtschaftszweig ist hier die Landwirtschaft; dazu gehören auch lange Anmärsche über Feldwege zu den Äckern. Das erspart den Menschen hier einiges an Herzkreislauferkrankungen ebenso wie Zuckerkrankheit; Demenz und Alterdepressionen kommen kaum vor.

2. Sie nehmen das Leben locker

σκόνη, πέτρες, λάσπη όλη μέρα στο γιαπί......αχχ

Die Menschen auf Ikaria arbeiten viel – aber sie stehen auch erst spät auf, gönnen sich einen ausgiebigen Mittagsschlaf (gut gegen Herzbeschwerden) und bleiben abends lange auf. Eine Uhr trägt hier keiner.

3. Ihr Land ernährt sie

sun-fruit-sun

Vieles, was sie essen, bauen die Inselbewohner selbst an. Damit steht jederzeit eigenes Obst auf dem Tisch, eigenes Gemüse, eigene Kartoffeln. Natürlich ist ihr Ernährungsstil auch insgesamt mediterran geprägt, mit Fisch, Olivenöl und wenig Zucker.

4. Sie frühstücken in Ruhe

Greek coffee and finiki in Armenistis

In Athen oder Saloniki würde ein typisches Frühstück aus löslichem Kaffee und einer Zigarette bestehen. Nicht so auf Ikaria: Hier gibt es auch Kaffee, aber in Ruhe “türkisch” – mitunter auch als “griechisch” bekannt – aufgegossen.

Die Zigarette ist nicht gefragt: Die überwiegende Mehrheit der älteren Männer zum Beispiel hat irgendwann einmal mit dem Rauchen aufgehört. Dafür gehört hier zum Frühstück immer auch Honig: auf dem Brot oder einfach so vom Löffel.

5. Sie haben heiße Quellen

Die heißen Quellen im Osten der Insel sind bekannt. Das Wasser ist hier zwischen 31 und 58 Grad warm, und das wusste man schon im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung – und immerhin liegt hier sogar ein Ort namens Therma.

6. Man weiß es einfach nicht

Der Verfasser in der “New York Times” zitiert eine 101-jährige Frau auf Ikaria: “Wir vergessen einfach zu sterben.” Demzufolge wissen die Ikarianer selber nicht, warum sie so alt werden – und ebenso wenig wissen es die Forscher, schon weil man keine wissenschaftliche Studie (zum Beispiel mit einer Kontrollgruppe, und das lebenslang) durchführen kann. Letztlich sehen sie das Geheimnis in einem Zusammenspiel vieler einzelner Ursachen.

Schon der Vergleich mit der Nachbarinsel Samos ist aber verblüffend: Die Menschen dort haben das gleiche Erbgut, essen Joghurt, trinken Wein, fangen den gleichen Fisch, atmen die gleiche Luft – aber werden eben doch nur so alt wie die Griechen allgemein.

Samos sei anders, sagte der Arzt Ilias Leriadis der Zeitung: Dort gehe es um Geld, auf Ikaria nicht. Hier sei auch die Uhrzeit egal; zu einer Einladung zum Mittagessen gehe man ebenso gut morgens um zehn oder abends um sechs. Zu den Festen lege man zusammen; was an Geld übrig bleibe, gebe man den Armen.

Auf Samos, so stellt Leriadis fest, gehe es um das “Ich” – auf Ikaria dagegen um das “Wir”.