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Marodes AKW Tihange bereitet im Dreiländereck Sorge

“Wir befinden uns in der Nähe der belgischen Stadt Lüttich und hinter mir ist das Atomkraftwerk Tihange zu sehen. Erst vor wenigen Tagen wurde erneut

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Marodes AKW Tihange bereitet im Dreiländereck Sorge

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“Wir befinden uns in der Nähe der belgischen Stadt Lüttich und hinter mir ist das Atomkraftwerk Tihange zu sehen. Erst vor wenigen Tagen wurde erneut ein Reaktorblock abgeschaltet, um Kontrollen durchzuführen, wie es heißt. In der Region wächst die Angst, dass es zu einem Störfall kommen könnte. Sind die Sicherheit und die Gesundheit der Bürger in Gefahr? Wir haben uns umgehört, vor Ort, in Brüssel und in Aachen”, sagt unser Korrespondent Rudolf Herbert.

Meinung

Wenn allerdings der größtmögliche Störfall geschieht, dann gibt es keinen echten Schutz im Sinne von Beherrschbarkeit einer Situation

Das AKW ist rund 70 Kilometer von Aachen entfernt. Auch Maastricht ist nahe.

Die Menschen, die in unmittelbarer Nähe des seit Jahren umstrittenen Kraftwerks wohnen, scheinen unbesorgt: “Nein, ich habe keinerlei Sorge – mein Vater arbeitet in dem Werk. Ich weiß mehr oder weniger Bescheid”, meint ein junger Mann. Eine Passantin sagte uns: “Es geht auch um Arbeitsplätze. Wo sollen die Leute einen Job finden, wenn geschlossen und den Leuten gekündigt wird?”

Der Reaktorblock 2 ging trotz unzähliger Haarrisse im vergangenen Dezember wieder ans Netz. Die belgische Atombehörde hat keinerlei Bedenken: “Das Sicherheitsniveau ist hoch genug, damit der Block betrieben werden kann”, so Sébastien Berg, der Sprecher der Behörde. In Aachen aber gab es bereits im Dezember eine Demonstration gegen den Betrieb der Anlage. Bürgermeister Marcel Philipp meint: “Wenn allerdings der größtmögliche Störfall geschieht, dann gibt es keinen echten Schutz im Sinne von Beherrschbarkeit einer Situation, sondern wir werden großen Schaden in der Region erleiden. Deshalb ist die Bewegung so groß, die sich zur Zeit darum bemüht, für ein Abschalten von Tihange zu werben.”

Walter Schumacher vom Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie fordert mehr Transparenz vom Betreiber Electrabel: “Ich glaube die wollen wirklich, dass wir, die Bürger es nicht verstehen, um dann zu hoffen, dass auch die Angst nicht so groß ist.” Doch die Aachener sind gut informiert: “Ich habe heute im Aachener Tagesblatt gelesen, dass der Betreiber, wenn es zum Störfall kommt, maximal – ich glaube – 1,2 Milliarden Euro zahlen muss”, weiß eine junge Frau. “Und ich finde, das kann gar nicht in Geld aufgewogen werden, überhaupt, was wir hier für einer Gefahr ausgesetzt werden. Das ist ein ganz schöner Witz.”

Mehr als 100.000 Menschen aus der Region, aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland, haben in einer Online-Petition die Stillegung gefordert. Am 8. März will ein Gericht in Brüssel über den Betrieb des Reaktorblocks 2 entscheiden.