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Wieviele Kinder sind seit Aylan Kurdi ertrunken?

Das herzzerreißende Foto des kleinen toten Jungen am Strand bei Bodrum ist um die Welt gegangen. Anfang September hatte der 3-jährige Aylan Kurdi die

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Wieviele Kinder sind seit Aylan Kurdi ertrunken?

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Das herzzerreißende Foto des kleinen toten Jungen am Strand bei Bodrum ist um die Welt gegangen. Anfang September hatte der 3-jährige Aylan Kurdi die Überfahrt in die EU nicht überlebt, seine Leiche wurde an die türkische Küste zurückgespült.

Zur Bewältigung der Flüchtlingskrise hat Brüssel bereits im September 2015 Maßnahmen beschlossen, die die Umverteilung von 160.000 Menschen, aus den am stärksten betroffenen Mitgliedsstaaten auf andere Mitgliedsstaaten der EU erlauben

Damals wurde außerdem die Ressourcen für Frontex-Einsätze auf dem Meer aufgestockt, eine Soforthilfe in Höhe von über 70 Millionen Euro wurde von der Europäischen Kommission bereitgestellt. Doch haben die Maßnahmen wirklich etwas gebracht?

“Nicht zu toleriende Tragödie”

Die Zahlen über tote Flüchtlinge folgen einem allgemeinen Trend: Immer mehr Frauen und Kinder versuchen von der Türkei aus nach Griechenland zu gelangen.

Allein im Juni 2015 waren einer von zehn registrierten Flüchtlingen an der Grenze zwischen Griechenland und der EJR Mazedonien minderjährig, so die Internationale Organisation für Migration

Diese Zahl hat sich sogar noch vergrößert: Inzwischen sind einer von drei Registrierten nicht volljährig. Das wird vor allem durch Familiennachzug begründet.

UNICEF-Sprecherin Sarah Crowe erklärte im Interview mit euronews:
“Eine Mutter mit der ich sprach hatte an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland ihr Baby geboren. Mit dem damals 15 Tage alten Kind wollte sie zu ihrem Mann nach Deutschland. Das sind die Geschichten, mit denen wir es hier zu tun haben.”

Sechs Monate später werden noch immer Kinderleichen an den Stränden des Mittelmeers und der Ägäis gefunden. Laut UNICEF sind es durchschnittlich zwei tote Kinder pro Tag. Seit dem Tod von Aylan Kurdi sind 300 Kinder in der Region tot aufgefunden worden.

“Es ist ein nicht tolerierbarer Zustand, dass Kinder vor dem Krieg fliehen können, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben in einem anderen Land, nur um dann auf See zu ertrinken. Wir müssen diese Überquerungen sicherer machen”, so Sarah Crowe weiter.

Im Meer getötete Migrantenkinder seit dem 2. September 2015, 2015

Für mehr Informationen auf Englisch können Sie auf die Grafik klicken (Quelle: International Organization for Migration.





Es geht nur langsam voran

Drei Wochen nachdem die Schlagzeile vom Tod Aylan Kurdis um die Welt ging, hatte der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker in einem Statement zur Situation der Flüchtlinge geäußert:

“Die Flüchtlingskrise hat und muss jetzt höchste Priorität haben. Die Entscheidung, 160 000 Menschen aus den am stärksten betroffenen Mitgliedstaaten umzuverteilen, ist ein historischer erster Ausdruck echter europäischer Solidarität, der Lob verdient. Damit ist es jedoch noch nicht getan. Es ist vielmehr an der Zeit für weiteres mutiges, entschlossenes und gemeinsames Handeln der Europäischen Union, unserer Institutionen und aller Mitgliedstaaten.”

Trotzdem sind bisher erst 583 von den 160.000 Flüchtlingen umverteilt worden.



Sarah Crowe von UNICEF bestätigt, dass dieser schleppende Prozess vor allem die schwächsten – unbegleitete Kinder – in sehr schwierigen Situation lasse. Schlepperbanden haben so ein leichtes Spiel mit Kindern, die ihre Rechte nicht kennen, noch wissen, woher sie Informationen bekommen können.