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Calais - der "Dschungel" wird geräumt

Paris will wegen Flüchtlingskrise in Calais Geld von London Beim Abriss des Dschungel von Calais machten die Bewohner heute mit drastischen Mitteln

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Paris will wegen Flüchtlingskrise in Calais Geld von London

Beim Abriss des Dschungel von Calais machten die Bewohner heute mit drastischen Mitteln auf ihr Schicksal aufmerksam – einige nähten sich die Lippen fest. Seit Montag reißen Arbeiter von den Flüchtlingen errichtete Hütten und Zelte in dem Lager ab, in dem miserable hygienische Zustände herrschen. Am ersten Tag der Räumung hatten sich Flüchtlinge und Aktivisten teils heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert: Sie warfen Steine auf die Beamten, diese antworteten mit Tränengas. Rund 20 von den Flüchtlingen errichtete Hütten wurden in Brand gesetzt. Den Lagerbewohnern wurden feste Plätze in Aufnahmezentren in der Nähe angeboten, viele lehnen das aber ab – sie wollen noch immer von Calais aus nach Großbritannien weiter, wo sie sich bessere Chancen ausrechnen. Zuletzt sollen sich hier bis zu 1000 Flüchtlinge aufgehalten haben, Hilfsgruppen sprechen von mehr als 3400.

Wegen der Flüchtlingskrise will Frankreich mehr Geld von Großbritannien, London hatte schon 2015 zusätzliche Finanzhilfen für Paris in der Flüchtlingskrise zugesagt. Großbritannien will mit mehr Geld für Frankreich verhindern, dass Flüchtlinge auf die Insel gelangen. Frankreichs Staatschef François Hollande trifft am Donnerstag im nordfranzösischen Amiens den britischen Premierminister David Cameron zu Regierungskonsultationen. Begleitet werden die beiden Politiker von ihren Außen-, Innen- und Verteidigungsministern. Bei den Beratungen dürfte die Flüchtlingskrise in Calais ein zentrales Thema sein, denn die meisten der tausenden in der Hafenstadt am Ärmelkanal ausharrenden Flüchtlinge wollen nach Großbritannien gelangen. Unter anderem gehe es darum, neue Aufnahmezentren für Flüchtlinge einzurichten, die Sicherheitsmaßnahmen am Hafen von Calais und am Eurotunnel auszuweiten und den Kampf gegen Schleuserbanden zu verschärfen.

Im Verlauf des vergangenen Jahres sind schon Tausende auf der Flucht vor Krieg und Armut in dem Lager gestrandet. Die meisten von ihnen versuchen, illegal per Zug oder Lkw durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen.