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Sturm auf Zaman: Türkische Polizei kämpft sich in Redaktion regierungskritischer Zeitung vor

Die türkische Polizei hat die Redaktion der Tageszeitung Zaman in Istanbul gestürmt. Anhänger hatten versucht, die Polizisten aufzuhalten. Diese

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Sturm auf Zaman: Türkische Polizei kämpft sich in Redaktion regierungskritischer Zeitung vor

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Die türkische Polizei hat die Redaktion der Tageszeitung Zaman in Istanbul gestürmt. Anhänger hatten versucht, die Polizisten aufzuhalten. Diese durchbrachen gewaltsam ein Tor und bahnten sich mit Wasserwerfern und Tränengas den Weg in das Gebäude, wo es zu Rangeleien zwischen Angestellten und den Sicherheitskräften kam.

Meinung

Jeder, der sich regierungskritisch äußert, landet vor Gericht oder im Gefängnis

“Leider ist es in den vergangenen drei bis vier Jahren üblich geworden, dass jeder, der sich regierungskritisch äußert, vor Gericht oder im Gefängnis landet oder unter die Kontrolle der Regierung gestellt wird”, sagte der Chefredakteur von Zaman, Abdulhamit Bilici, noch vor der Stürmung der Redaktion. “Ich glaube, das sind düstere Zeiten für unser Land, für unsere Demokratie. Aber ich glaube nicht, dass das so weitergehen wird.”

Stürmung bereits erwartet

Die Stürmung der Redaktion war bereits erwartet worden, nachdem ein türkisches Gericht die regierungskritische Zeitung unter staatliche Verwaltung gestellt hatte. Zaman ist nach Angaben des Branchendienstes MedyaTava mit einer Auflage von 650.000 Exemplaren die meistverkaufte Tageszeitung der Türkei. Auch eine englische Edition bringt der Verlag heraus.

Die Chefredakteurin der englischen Ausgabe mit einer “letzten Nachricht” an die Leser

Die Zeitung hat Verbindungen zur religiösen Gülen-Bewegung. Deren Oberhaupt, Fethullah Gülen, war einst ein Verbündeter Erdogans. Inzwischen sind beide jedoch zerstritten. Gülen lebt seit 1999 im US-amerikanischen Exil. Ihm wird in der Türkei unter anderem die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Zaman ist nicht die erste Gülen-nahe Publikation, die von der türkischen Regierung kassiert wurde.

EU drückt Auge zu

Die Türkei steht derzeit wegen ihres Umgangs mit der Pressefreiheit stark in der Kritik. Immer wieder werden Zeitungen vom Staat übernommen oder ganz geschlossen. Türkische Journalisten erwarten hohe Haftstrafen wegen angeblicher Gefährdung der Sicherheit des Landes. Der EU werfen Kritiker Zurückhaltung im Umgang mit der Türkei bei Menschenrechtsfragen vor. Gerade in der Flüchtlingskrise buhlen Politiker der Europäischen Union um die Unterstützung der Türkei. Kritisch äußerte sich die Berichterstatterin im Europäischen Parlament, Kati Piri: Zaman sei “zum Schweigen gebracht” worden, schrieb sie im Kurznachrichtendienst Twitter.