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Abreise aus der Türkei: Wie die Menschenhändler in der Türkei Migranten auf den Weg bringen

Türkei antwortet mit schärferen Gesetzen und mehr Überwachung

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Abreise aus der Türkei: Wie die Menschenhändler in der Türkei Migranten auf den Weg bringen

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Der Aksaray-Park in Istanbul: Startpunkt für viele Migranten und Flüchtlinge, die von der Türkei Richtung Westeuropa weiterreisen wollen. Lange vor der “Balkanroute” also zunächst das “Schmugglerviertel” – der Name ist zum geflügelten Wort für die Gegend um den Park geworden. Abends versammeln sich dort dutzende Migranten. Sie bringen alles mit, was sie noch besitzen und behalten wollen auf der Reise nach Europa.

Meinung

Sobald die Migranten bei ihm eintreffen, will der Schlepper sie wieder loswerden. Egal, wie.

“Die Schmuggler legen einen Ort fest, wo die Busse stehen. Sie sagen den Leuten, dass sie dort hinkommen sollen, um Probleme zu vermeiden – zum Beispiel, dass die Polizei den Bus hochnimmt”, erzählt Ali, der selber Menschen schmuggelt. “Die Schmuggler bringen sie an Orte, wo keine Polizei ist. Sie beobachten die Gegend, dann telefonieren sie untereinander. In 15 Minuten ist alles bereit und der Bus fährt los.”

Die türkische Polizei gibt sich inzwischen mehr Mühe, die Migranten an der Weiterreise zu hindern. Sie fängt die Busse auf ihrem Weg zur Küste ab. Bis zu zwölf Jahre Gefängnis erwarten einen Schmuggler, wenn er denn gefasst wird. Das Geld scheint dieses Risiko wert zu sein. Es scheint auch das Risiko wert zu sein, dass einige Migranten die Überfahrt nicht überleben.

Schlepper: egal, ob die Überfahrt gefährlich ist

“Den meisten Druck üben die Behörden an der Küste aus”, sagt der Schlepper Ali. “Vor allem die Küstenwache hat dort ihre Anstrengungen verstärkt. Klar, manch einem Schmuggler ist es egal, ob die Wellen hoch sind oder das Meer ruhig ist. Sobald die Migranten bei ihm eintreffen, will er sie sofort wieder loswerden. Egal, wie.”

Die 10.000 Kilometer lange Küste der Ägäis zwischen Griechenland und der Türkei ist wie gemacht für die Schmuggler. Viele Buchten bieten ideale Verstecke vor der Küstenwache. Die Griechen hatten in den vergangenen Monaten bereits Probleme, dieses Meer zu überwachen. Jetzt schiebt die EU die Verantwortung ein Land weiter: Drei Milliarden Euro hat die Union der Türkei überweisen, damit die Flüchtlinge gar nicht erst in griechische Gewässer kommen.

146.000 Migranten hat die Türkei nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr aufgegriffen, mit den neuen Maßnahmen sollen es noch mehr werden. “Trotz des schlechten Wetters von im Januar und Februar haben wir mehr Migranten gerettet und mehr Schmuggler verhaftet als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres”, sagt der Kriminalbeamte Bahadir Yesiltepe von der Polizei in Izmir.

Die Schmuggler müssen künftig damit rechnen, häufiger gefasst zu werden. Sie müssen aber auch mit höheren Strafen rechnen als in der Vergangenheit. Lohnen könnte sich das Geschäft aber weiterhin. 900 Euro kostet die Überfahrt auf die griechischen Inseln. Das macht 22.000 Euro für ein vollgepacktes Schlauchboot.