Eilmeldung

Eilmeldung

Witwen und Schwangere: Trotz stärkerem Grenzschutz fliehen Syrer über die türkische Grenze

Die Waffenruhe und striktere Grenzkontrollen, all das hat der Türkei nicht geholfen: Weiterhin verlassen syrische Flüchtlinge ihre Heimat und wandern

Sie lesen gerade:

Witwen und Schwangere: Trotz stärkerem Grenzschutz fliehen Syrer über die türkische Grenze

Schriftgrösse Aa Aa

Die Waffenruhe und striktere Grenzkontrollen, all das hat der Türkei nicht geholfen: Weiterhin verlassen syrische Flüchtlinge ihre Heimat und wandern ins Nachbarland. Das Auffanglager Akçakale ist ein erster Anlaufpunkt für sie. Es ist das Camp einer Hilfsorganisation, die von der lokalen Regierung unterstützt wird.

Meinung

Wir hatten die Wahl: Entweder sterben wir oder wir hauen ab

5500 Menschen leben hier, unter ihnen auch Meryem Acami und ihre vier Kinder. Sie seien gerade den Kämpfern des sogenannten Islamischen Staates entkommen, erzählt Acami. Ihr Mann hat den Terror des IS nicht überlebt. Dass der sogenannte Islamische Staat und seine Helfer die Familie gehen ließ, ist nicht selbstverständlich.

“Ich bin Witwe und ich habe keinen Sohn, der arbeiten könnte”, sagt Acami. “Also haben sie mich gehen lassen. Auf die Frage, wohin ich gehen will, habe ich gesagt: in die Türkei.”

Kein Mann, kein Ernährer, keine Zukunft – obwohl er noch viel zu jung dafür ist, übernimmt Acamis Sohn Ferdi bereits kleine Jobs, um der Familie zu helfen: “Mein größter Wunsch ist es, meinen Bruder und meine Schwestern versorgen zu können. Eigentlich ist das mein einziger Wunsch.”

Hastiger Aufbruch

Auch Muhammed Abdulkerim ist vergangene Woche über Raqqa in die Türkei gekommen. Seine Frau ist schwanger, also sind die beiden Hals über Kopf aufgebrochen. “Wir hatten die Wahl: Entweder sterben wir oder wir hauen ab”, sagt Abdulkerim. “Wir haben uns entschieden, uns auf den Weg zu machen, egal wie. Wir kommen aus Deir ez-Zor. Sieben Tage sind wir bis zur Grenze gelaufen. Jeder musste 60.000 Syrische Lira bezahlen, um durchgelassen zu werden.”

Kommentar von euronews-Korrespondent Bora Bayraktar

Der Zulauf von Menschen aus Syrien geht weiter, trotz Grenzkontrollen und anderer Maßnahmen. Das Wichtigste für diese Menschen ist, dem Krieg zu entkommen und an einen sicheren Ort zu gelangen. Aber der Krieg dauert immer länger an. Damit sinken die Chancen, dass sie zurückkehren. Und dadurch werden es immer mehr, die über eine Reise nach Europa nachdenken.

60.000 Lira, das sind 250 Euro. Noch viel mehr Menschen haben viel Geld bezahlt, um es bis hierher zu schaffen. 110.000 warten angeblich in den neun Grenzlagern in Syrien auf eine Ausreisemöglichkeit. In der Türkei kochen Hilfsorganisationen ihnen Essen in improvisierten Großküchen und liefern es täglich über die Grenze. “Wir haben diese Versorgungseinrichtung hier in Kilis nach den Bombardements von Aleppo und Azaz eingerichtet”, erzählt Abdülhakim Bayram von der Beşir Stiftung. “Wir kochen täglich für zehntausend Menschen. Außerdem wollen wir ein neues Lager in Syrien aufmachen. Noch arbeiten wir daran, es soll eine Zeltstadt mit 1000 Zelten werden.”

1000 Zelte werden nicht ausreichen, wenn die Türkei die 110.000 Wartenden aufnehmen muss. Die derzeitigen Grenzschutzmaßnahmen der Türkei lassen vermuten, dass man das lieber vermeiden will und sich auf die Versorgung der 2,5 Millionen Migranten konzentriert, die bereits auf türkischem Boden sind.