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Fukushima: Gruseltourismus nach Vorbild Tschernobyl?

Die Umweltbelastung durch den Super-Gau im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi vor fünf Jahren wird nach Einschätzung von Greenpeace noch

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Fukushima: Gruseltourismus nach Vorbild Tschernobyl?

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Die Umweltbelastung durch den Super-Gau im japanischen

Meinung

In Wirklichkeit hat sich noch gar nichts getan hier

Atomkraftwerk Fukushima Daiichi vor fünf Jahren wird nach
Einschätzung von Greenpeace noch Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte anhalten. Trotzdem gibt es Menschen – Touristen – die den Ort des Grauens unbedingt mit eigenen Augen sehen wollen. Dark Tourism – Gruseltourismus. Ein Projekt: Von 2036 an Menschen ohne Schutzanzügen die verlassene Gegend zu zeigen. Es wurde jetzt bis auf Weiteres gestoppt.

Hiroki Azuma, Projekt Fukuichi Kanko:

“Die meisten Japaner sind einfach nicht in der Lage zu ertragen oder zu verstehen, dass es möglich ist, aus einer so großen Katastrophe zu etwas zu machen, was die Menschen darüber hinwegbringt. Oder dass ein Museums, das Fakten der Katastrophe zeigen würde, eine gute Lektion für künftige Generationen bereithalten kann.”

Erdbeben und Tsunami-Fluten hatten 2011 im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi Kernschmelzen ausgelöst, große Mengen an radioaktivem Material kontaminierten Luft, Böden, Wasser und Nahrungsmittel in Küstengegend. Rund 610 Menschen starben unmittelbar, langfristig könnten es bis zu 10.000 Opfer werden.

Mariko Matsumoto aus Fukushima:

“Ich meine, das Wort Tourismus hat in der Region Hamadori nichts zu suchen.”

Die pensionierte Lehrerin Akiko Onuki (61) gehört zu den Freiwilligen, die Besucher durch verlassene Orte in der Region Fukushima führen. Sie sagt: „Wir müssen sicherstellen, dass es nie mehr ein Fukushima gibt”. Sie hat den Tsunami überlebt, doch sechs ihrer Schüler und ein Kollege starben. Deshalb hat auch sie sich den freiwilligen Touristenführern angeschlossen.

„Ich bin schockiert“, sagt Chika Kanezawa, eine 42jährige Teilnehmerin einer Tour aus Saitama nördlich von Tokio, „das Fernsehen und die Zeitungen berichten von Fortschritten beim Wiederaufbau und dass sich das Leben wieder normalisiert. Aber in Wirklichkeit hat sich noch gar nichts getan hier.“

Die Planungsgruppe unter anderem aus Geschäftsleuten, Journalisten, Architekten und Soziologen hatte 2012 angefangen zu arbeiten, und zwar nach dem Vorbild – Tschernobyl.

30 Jahre nach der Reaktorexplosion in der Ukraine zieht es jedes Jahr rund 10.000 Touristen zur Kraftwerksruine und in die umliegenden Geistersiedlungen (Veranstalter SoloEast, Kiew), Tendenz steigend.

su mit Reuters