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Brennpunkt Menschenrechte auf dem FIFDH in Genf

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Brennpunkt Menschenrechte auf dem FIFDH in Genf

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Das internationale Filmfestival und Forum für Menschenrechte FIFDH in Genf legt den Finger auf die akuten Brennpunkte, aktueller könnte ein Filmfest

Das internationale Filmfestival und Forum für Menschenrechte FIFDH in Genf legt den Finger auf die akuten Brennpunkte, aktueller könnte ein Filmfest derzeit gar nicht sein. Getreu dem Motto “Ein Film, ein Thema, eine Debatte” werden die Vorführungen von öffentlichen Diskussionen begleitet.

Meinung

Wir suchen nach Filmen, die uns überraschen, die uns bewegen, die den Blick eines Filmemachers zeigen. Das sind die Filme, die wir auf dem Festival vorstellen, um anspruchsvolle Diskussionen anzuregen.

Isabelle Gattiker Festivaldirektorin: “Wir suchen nach Filmen, die uns überraschen, die uns bewegen, die den Blick eines Filmemachers zeigen. Das sind die Filme, die wir auf dem Festival vorstellen, um anspruchsvolle Diskussionen anzuregen.”

“Among the believers”

Der große Preis der Jury für die beste Dokumentation ging diesmal an die pakistanisch-amerikanische Koproduktion Among the believers von Hemal Trivedi und Mohammed Ali Naqvi.

Der Film zeichnet das Porträt des fanatischen Klerikers Abdul Aziz Ghazi, der als Leiter radikaler Koranschulen sogenannter Madrasas, Kinder und Jugendliche auf ein Leben für den Dschihad vorbereitet.

Hemal Trivedi: “Wir wollten mit unserem Film, die Art und Weise, wie die westliche Welt den Kampf gegen den Terror führt, beeinflussen. Derzeit wird im Westen einzig und allein in Bomben investiert und mit Bomben geantwortet. Wir fordern, dass stattdessen in Bücher investiert wird, der Krieg gegen den Terror ist keine Lösung. Denn diesen Krieg kann man nicht gewinnen.”

“Hooligan Sparrow”

Die zweite wichtige Auszeichnung des Festivals, der Gilda Vieira de Mello Preis, gestiftet von der Barbara-Hendricks-Stiftung für Frieden und Aussöhnung, ging an Hooligan Sparrow von Nanfu Wang.

Der Film folgt der Aktivistin Ye Haiyan und ihren Mitstreitern, die in der Provinz Hainan im Süden Chinas für die Rechte sechs junger Mädchen kämpfen, die von ihrem Schuldirektor sexuell missbraucht wurden.

Der Dreh entstand zum Teil mit versteckter Kamera unter ständiger Überwachung.

Nanfu Wang: “Jedes Mal, wenn wir draußen drehten, wurden wir von der Geheimpolizei beschattet. Und wenn wir drinnen drehten, bestand die Gefahr, das die Polizei hereinstürzte und jemanden festnahm. Ich hatte permanent Angst, dass man mir die Aufnahmen wegnehmen würde, fürchtete mich vor jeder Festnahme. Drei Menschen, die im Film vorkommen, sind immer noch in Gefängnis, ihnen droht lebenslange Haft.”

“A Syrian Love Story”

Für A Syrian Love Story wurde Sean McAllister mit dem Sonderpreis der Jury ausgezeichnet. Er erzählt von Amer und Raghda, die sich als junge Menschen im Gefängnis kennenlernten. Als 15 Jahre später die Stimmen gegen das Assad-Regime immer lauter werden, muss das Paar mit seinen vier Kindern die Heimat verlassen. Der Film begleitet die syrische Familie ab 2009 fünf Jahre lang und erzählt eine Geschichte der Hoffnung und Verzweiflung.

McAllister, der bei der Preisverleihung nicht anwesend war, bedankte sich per Videobotschaft vom Flughafen in Belfast mit einem Glas Champagner: Herzlichen Dank an die Menschen in der Schweiz!

“Voyage en Barbarie”

Der Große Preis der Weltorganisation gegen Folter ging an den französischen Beitrag Voyage en Barbarie von Delphine Deloget und Cécile Allegra.

Die Dokumentation befasst sich mit dem Schicksal eritreischer Migranten, die in von Beduinen betriebenen Foltercamps auf der ägyptischen Sinaihalbinsel fruchtbarsten Misshandlungen ausgesetzt werden, um Lösegeld zu erpressen.

Cécile Allegra: “Das Schwerste war, die Eritreer davon zu überzeugen, ihre Geschichte zu erzählen. Man hat ihnen eingebläut, das, was sie im Land erlebt haben, auf keinen Fall preiszugeben, unter Androhung von Repressalien gegen ihre Familien, die zurückgeblieben sind. Deswegen sagen sie nichts über die Foltercamps, wenn sie sie verlassen. Derart klare Aussagen, unverhüllt und unter vollem Namen, hat es meiner Ansicht nach noch nicht gegeben. Deswegen gebührt diesen jungen Männern alle Achtung, weil sie den großen politischen Mut hatten, ihre Geschichte zu erzählen.

Wolfgang Spindler, euronews “Die Filme und Diskussionen auf diesem Festival zeigen uns die erschütternde und grausame Wahrheit der Menschenrechtsverletzungen, die auf dieser Welt, leider zum Alltag gehören. Filme sind hier mehr als Unterhaltung.”