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Nordkorea - Touristen im Land von Angst und Zensur: "Schlimmer als im TV"

Der Informatiker und Hobbyfotograf aus Polen Michał Huniewicz hat eine Woche in Nordkorea verbracht, er schildert seine Eindrücke vom

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Nordkorea - Touristen im Land von Angst und Zensur: "Schlimmer als im TV"

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Der Informatiker und Hobbyfotograf aus Polen Michał Huniewicz hat eine Woche in Nordkorea verbracht, er schildert seine Eindrücke vom verschlossensten Land der Welt.

Die Zensur umgehen

Michał Huniewicz hat seinen Fotoapparat so eingestellt, dass die Fotos durch die Löschtaste nicht wirklich gelöscht, sondern nur nicht mehr angezeigt werden – um mit diesem Trick die Zensur zu umgehen.
Zudem hat er versucht, Bider zu machen, die das nordkoreanische Regime eigentlich nicht zeigen will – zum Beispiel aus dem Zug heraus auf dem Weg von China nach Pjöngjang oder aus dem Minibus.

Ein Freund des polnischen Fotografen hatte weniger Glück mit seinen Fotos: Ammar Hassan Mohammed Jawad Hassan konnte nicht alle Bilder retten – auch wenn er sich brav vor der Statue der Ex-Präsidenten hat ablichten lassen.

Armut und kommunistische Architektur

Die eigentlich nicht erlaubten Bilder zeigen die Armut in Nordkorea: nicht fertiggestellte oder völlig leere Straßen, Menschen, die in Flüssen ihre Wäsche waschen, extrem abgemagerte Menschen, die Leute lächeln kaum, sie scheinen Angst vor Besuchern zu haben.

Michał Huniewicz erinnert die Architektur in Nordkorea an Osteuropa zu Zeiten der UdSSR – er vergleicht die Gebäude und die Straßenbahn von Pjöngjang mit Sarajevo.
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Absurdes wird zur Schau gestellt

Der Kult der Persönlichkeiten der ehemaligen Präsidenten gilt für alle. Auch die Tochter eines eigentlich antikommunistischen Militärs sollte Blumen kaufen und sie vor der Statue von Kim-Il Sung niederlegen.

Die offiziellen Touristenführer bringen die Gruppe mehrmals an dieselben Orte, im Hotel führt der Aufzug für Besucher nicht in alle Stockwerke, wie zu Ostblockzeiten werden die Pässe der Touristen eingezogen.
Im Bahnhof gibt es außer der Touristengruppe keine Reisenden.

Alle Bilder von Michał Huniewicz finden Sie in Road to North Korea und Ostensibly ordinary:Pyongyang) auf dem Blog und auf Facebook oder Twitter

Gespräch mit Michał Huniewicz

Wer war in Ihrer Reisegruppe in Nordkorea?

Am Anfang waren wir sieben – mit meinem Freund Amar. Die anderen fünf Reisenden kannten wir nicht. Einer war Amerikaner, er musste mit dem Flugzeug kommen mit der schlimmsten Fluggesellschaft der Welt, weil er als Amerikaner nicht mit dem Zug fahren durfte. US-Amerikaner werden in Nordkorea noch öfter festgenommen. Es war auch ein Journalist aus Neuseeland dabei, ein Sozialist aus Norwegen, der mehr Verständnis für die Nordkoreaner hatte als die anderen, ein britischer Professor und ein anderer Engländer – eine Art Baron von Münchhausen, der schon überall auf der Welt war. Wir waren alle sehr verschieden, aber wir waren alle Männer und alle aus der westlichen Welt.

(Ein Beispiel für das Schicksal eines US-Amerikaners in Nordkorea ist Otto Warmbier, der vor Gericht um Gnade gefleht hat)

Was hat Sie am meisten beeindruckt oder am meisten schockiert?

Da ich mich vor meiner Abreise gut informiert hatte, hat mich nichts wirklich total überrascht. Was ich seltsam fand, war, als der Touristenführer uns gesagt hat: “Wir fahren jetzt durch ein militärisches Sperrgebiet, in dem Fotos verboten sind. Also werden Sie alle schlafen.” Das war etwa eine Stunde, nachdem wir aufgestanden waren.
Was mich geschockt hat, war, wie ich mich verändert habe. Ich habe gemerkt, dass ich mich anpasse und versuche, die Touristenführer zufriedenzustellen. Ich habe ihre Befehle akzeptiert und sogar auf Befehle gewartet, ich wollte die Situation nicht noch schlimmer machen. Und ich habe angefangen, meine Weiterreise nach China so zu organisieren, als wäre ich noch in Nordkorea, wo man nicht aus dem Zug aussteigen darf oder den Bahnhof nicht verlassen, wie man will… Im Vergleich zu Nordkorea ist China eine Oase des Friedens. Es war keine Gehirnwäsche, ich habe kein Wort von dem geglaubt, was mir gesagt wurde, aber ich habe mich in eine Art Herdentier verwandelt, das Befehle befolgt…

Nordkorea gilt als ein Land, in dem Hunger herrscht, das außerhabl der Welt liegt und von der Diktatur geknechtet wird. Entspricht das der Realität, die Sie erlebt haben?

Während meiner Reisen bin ich daran gewöhnt, dass die Leute mich anlächeln, dass sie winken und mich zu sich einladen, weil es eine gegenseitige Faszination gibt. Ich schüttle immer viele Hände, Kinder kommen angerannt und lachen. Es ist immer etwas los – trotz der Sprachbarrieren.
Aber in Nordkorea ist das ganz anders.
Für mich ist Nordkorea sogar schlimmer als auf den TV-Bildern, die gezeigt werden. Wir haben keine Gewaltszenen miterlebt, keine Obdachlosen, keine Toten oder Konzentrationslager. Aber es war verstörend diese traurige Nation armer Leute zu sehen, diese verängstigten Gesichter, die unseren Blicken ausgewichen sind, die jeden Kontakt vermieden haben, als hätten wir die Lepra. Was man uns gezeigt hat, war eine Show, aber wir machten dabei mit, wir haben eine Rolle gespielt. Für die normalen Nordkoreaner sind wir Ausländer, die kommen, um den besten Ort der Erde zu sehen. Jeder, der nach Nordkora kommt, macht bei dieser großen nordkoreanischen Lüge mit.

Das hat mich an Auschwitz erinnert, einen schrecklichen Ort, den die Welt nur anschaut, ohne etwas dagegen zu tun. Das bringt zum Nachdenken, und es lässt erschaudern.