Eilmeldung

Eilmeldung

Mawdoo3.com und 7iber.com: Erfolgsgeschichten aus Jordanien

Sie lesen gerade:

Mawdoo3.com und 7iber.com: Erfolgsgeschichten aus Jordanien

Schriftgrösse Aa Aa

Wir sind in Amman, der Hauptstadt Jordaniens. Zwei junge Männer haben eine Website gegründet, die in kurzer Zeit zur einer der erfolgreichsten

Wir sind in Amman, der Hauptstadt Jordaniens. Zwei junge Männer haben eine Website gegründet, die in kurzer Zeit zur einer der erfolgreichsten arabischsprachigen Seiten im Internet geworden ist. Die Idee zu Mawdoo3.com kam den Erfindern in einem Café. Wenig später konnten beide eine Investition über 1,5 Millionen Dollar einstreichen.

Mawdoo3.com liegt laut dem Unternehmen Effective Measure, das Internet-Traffic misst, unter arabischsprachigen Websites weit vorn, noch vor MBC.net und der Sportseite Koora.com. Im Januar dieses Jahres etwa haben mehr als 17 Millionen Menschen Mawdoo3.com besucht, fast zwei Drittel von ihnen Frauen.

Mohammad Jaber ist Arzt und Mitgründer der Seite, die eine breite Palette an Themen abdeckt. Er erklärt: “Ich spreche ganz allgemein: Als Arzt muss ich ausländische Quellen für die Arbeit nutzen. Wenn ich etwas aus einem anderen Bereich suche, kann ich nicht sicher sein, dass ich nützliche Infos finde. Am einfachsten ist es, etwas in der Muttersprache zu lesen. Aber wenn es in der Muttesprache keine spezifischen Informationen in hoher Qualität gibt, etwa, weil die Inhalte schlecht übersetzt wurden, dann betrifft einen das ganz persönlich. Wenn mein Sohn etwas über Religion in einer anderen Sprache liest, sind da vielleicht Fehler. Das betrifft ihn auf persönlicher Ebene.”

Jaber will unter anderem den Gesundheitsbereich der Seite ausbauen. Studenten aus Jordanien sind bereits dabei, wissenschaftliche Artikel zu übersetzen. “Verschiedene Kulturen lernen unterschiedlich, und vielleicht können manche nicht so gut Englisch. Informationen in der Muttersprache der Lernenden zu verbreiten ist fundamental für die eigene Kultur. Indem wir das tun, stärken und entwickeln wir die arabische Kultur.”

Die Gründer wollen nun auch die Bereiche Immobilien, E-Commerce und Multimedia angehen sowie türkische und englische Inhalte anbieten. Rami Qawasmi ist der andere Gründer. Er blickt zurück auf den Weg, der die Seite bisher zurückgelegt hat und auf die Lehren, die er daraus gezogen hat.

Rami Qawasmi: “Man muss nicht den ganzen Weg kennen. Man muss nicht wissen, wie etwas, das man jetzt tut, zu etwas anderem führt. Es reicht, ein wenig vorauszuschauen, den nächsten Schritt zu planen, und dann sieht man, wie man von dort aus weitergeht. An einem Punkt dachte ich wirklich, was tun wir hier? Ich fragte alle um mich herum nach der Richtung unseres Projekts. Dann sagte ich, nein, wir wissen, was wir tun müssen, um in die richtige Richtung zu gehen.”

ins Internet, um Zensur zu umgehen

In der arabischen Welt mit ihren autoritären Regimen dient das Internet oft dazu, die Zensur zu umgehen, sagt Lina Ejeilat, die Mitgründerin des zweisprachigen Online-Magazins 7iber (“Hiber”, zu deutsch: Tinte).. Seine Berichte machen das Magazin zu einer der wichtigsten kritischen Stimmen in Jordanien, einem Land, das auf der Rangliste der Pressefreiheit einen der hinteren Plätze belegt und wo es laut Reporter ohne Grenzen erkennbare Probleme bei der Pressefreiheit gibt. Die arabischen Regierungen arbeiten denn auch daran, die Freiheit im Netz einzuschränken.

Lina Ejeilat: “Natürlich gibt es Probleme mit arabischsprachigem Inhalt im Netz und der Nutzung des gesprochenen Arabisch. Aber das ist ein Problem, das nicht nur das Internet betrifft. Es ist ein Problem, das arabische Inhalte generell betrifft, auch an Universitäten, bei der Forschung, der Wissens-Produktion, der Einschränkung der Redefreiheit, bei der Buchveröffentlichung, bei Magazinen. In all diesen Bereichen stellen wir uns die Frage, warum der Inhalt in arabischer Sprache nicht ausreicht.”

Das Wachstumspotential für Seiten, die sich an arabische Leser wendet, scheint sehr hoch zu sein. Weniger als ein Prozent der Websites sind laut der Internationalen Fernmeldeunion derzeit auf arabisch. Und das, obwohl Arabisch die fünftgrößte Sprache ist. Allerdings sind vergleichsweise viele Menschen in der arabischsprachigen Welt Analphabeten, das Bildungsniveau ist von dem der westlichen Welt insgesamt weit entfernt.


Website Mawdoo3.com
Website von 7iber.com