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Nach Bombenexplosion in der Türkei: kurdische Terrorgruppe bekennt sich zu Anschlag


Türkei

Nach Bombenexplosion in der Türkei: kurdische Terrorgruppe bekennt sich zu Anschlag

Nach dem Anschlag am Sonntag in der türkischen Hauptstadt Ankara hat eine militante Gruppe jetzt die Verantwortung für die Tat übernommen. Die Gruppe, die sich Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) nennt, gab auf ihrer Webseite bekannt, eine Selbstmordattentäterin habe den Anschlag durchgeführt.

Die Freiheitsfalken Kurdistans stehen der verbotenen Kurdenpartei PKK nahe. Als Grund für den Anschlag nannte die Gruppe türkische Operationen in den Kurdengebieten im Südosten der Türkei.

37 Menschen waren bei dem Bombenanschlag gestorben. Man habe Sicherheitskräfte treffen wollen, heißt es auf der Webseite der Terroristen. Da jedoch die Polizei eingegriffen habe, sei es zu zivilen Opfern gekommen. Gleichzeitig kündigte die Gruppe weitere Anschläge an. Die Freiheitsfalken Kurdistans hatten sich zuvor bereits zu einem Anschlag im Februar bekannt, bei dem 29 Menschen getötet wurden.

Bereits am Montag hatte die türkische Regierung die PKK hinter dem jüngsten Angriff vermutet. Elf Personen wurden festgenommen. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sprach von “sehr ernsten Hinweisen, die vor allem auf die separatistische Terrororganisation hindeuten”. Der Anschlag lässt den Konflikt zwischen der türkischen Regierung und kurdischen Separatisten erneut eskalieren. In der darauffolgenden Nacht flog die türkische Luftwaffe Angriffe auf kurdische Stellungen im benachbarten Nordirak, berichtet die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Die Angriffe gingen auch am Dienstag weiter. Einsätze dieser Art sind international umstritten, die Kurden gelten als Verbündete im Kampf gegen den Terror des sogenannten Islamischen Staates im Irak und Syrien.

Akademiker, Journalisten, Terroristen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, er wolle künftig “Terrorismus” breiter definieren. “Nur weil jemand einen Titel wie Abgeordneter, Akademiker, Autor, Journalist oder Leiter einer Nichtregierungsorganisation trägt, ändert das nichts an der Tatsache, dass diese Person eigentlich ein Terrorist ist”, sagte Erdogan nach Angaben von Anadolu. Hierbei gehe es nicht um Meinungsfreiheit, Pressefreiheit oder Versammlungsfreiheit. Unterdessen hat der Korrespondent des Nachrichtenmagazins Spiegel die Türkei verlassen, weil er über Monate keine Akkreditierung als Journalist erhalten hatte. Offiziell werde der Antrag weiterhin bearbeitet, so Kazim gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Aus Sicherheitskreisen sei ihm zugetregen worden, dass ihm ein Prozess wegen Unterstützung einer Terrororganisation drohen könnte, “bloß weil ich mit Leuten gesprochen habe, die die Türkei als Terroristen bezeichnet.” Kazim war zuvor Korrespondent in Pakistan. Auch dort hatte er sich durch seine kritische Berichterstattung in Geheimdienstkreisen nicht gerade beliebt gemacht.

Unterdessen hat die Bundesrepublik Deutschland ihre Botschaft in Ankara geschlossen. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme wegen eines nicht überprüfbaren Hinweises, heißt es aus dem Auswärtigen Amt. Die Bedrohungslage habe sich jedoch nicht verändert. Auch eine deutsche Schule und das Generalkonsulat in Istanbul wurden geschlossen. Die Vertretungen Österreichs und der Schweiz bleiben bis auf Weiteres geöffnet.

Weitere Informationen

Informationen über die deutsche Botschaft in der Türkei
Die österreichische Vertretung in der Türkei
Die Vertretung der Schweiz in der Türkei

Chronik von Anschlägen in der Türkei

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