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Tödliche Bedrohung durch Landminen in der Ukraine

Am 10. Februar war Andriy Kostenko gerade auf dem Nachhauseweg von Luhansk nach Marjinka, als eine Straßensperre den Verkehr aufhielt. Offenbar

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Tödliche Bedrohung durch Landminen in der Ukraine

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Am 10. Februar war Andriy Kostenko gerade auf dem Nachhauseweg von Luhansk nach Marjinka, als eine Straßensperre den Verkehr aufhielt.

Offenbar wollte er die Schlange umfahren und verließ dazu die Straße, nur wenige Sekunden später fuhr er mit seinem VW-Minibus auf eine Landmine. Kostenko und zwei Mitfahrer wurden getötet. Die Zahl der Opfer durch Minen beläuft sich inzwischen auf mehr als 260 Tote in weniger als zwei Jahren.

Fast 500 Zivilisten wurden von Minen schwer verletzt. Es ist unbekannt, wer die Minen gelegt hat. Zudem gibt es nur wenig Aufzeichnung darüber, wo sich die Minen befinden. Das umfangreiche Minenlegen ist ein Rückschlag für die jahrzehntelangen, internationalen Bemühungen, Minen nachhaltig zu verbieten.

Die Ukraine gehört zu zehn Ländern, in denen Tretminen immer noch zum Einsatz kommen. Zu den anderen Ländern gehören: Nordkorea, Irak, Syrien, Afghanistan, Pakistan, Kolumbien, Libyen, Jemen, Tunesien und Myanmar.

1997 einigte sich die internationale Staatengemeinschaft auf ein Verbot von Antipersonenminen, das 1999 international in Kraft getreten ist. Die Ottowa Konvention verbietet den Umgang mit Minen auf der Grundlage des Designs einer Mine. Demnach sind Minen, die sich gegen Personen richten, verboten. 2005 ratifizierte auch das ukrainische Parlament das Übereinkommen.

Gegenüber Euronews erklärten Mitglieder des ukrainischen Militärs, dass im Osten des Landes jedoch erstmals Landminen bewusst gegen Personen und Fahrzeuge eingesetzt werden. Den Rebellen wird vorgeworfen, Landminen bereits seit geraumer Zeit zu legen. Dieses Vorgehen wird Experten zufolge enorme Auswirkungen auf Zivilisten in den kommenden Jahren haben.

Zeitplan

  • Dezember 2005: Das ukrainische Parlament ratifiziert das Übereinkommen von Ottawa zum Verbot von Landminen. Bis Ende 2012 hatten 161 Staaten das Übereinkommen ratifiziert beziehungsweise sind ihm beigetreten. Russland, die USA und China halten sich dem Abkommen weiter fern.
  • April 2014: Im Osten des Landes bricht der Konflikt zwischen den ukrainischen Regierungstruppen und den prorussischen Separatisten aus
  • September 2014: Das erste Minsker Abkommen zwischen Kiew und den abtrünnigen Regionen sieht ein Ende des Minenlegens und die Minenräumung vor.
  • März 2016: Die Ukraine verfügt Schätzungen zufolge immer noch über mehr als fünf Millionen Antipersonenminen und gibt zu, diese auch im eigenen Gebiet einzusetzen.

Aber alle Vereinbarungen scheinen wirkungslos. Im vergangenen Jahr stellte der Vizechef der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine, Alexander Hug fest, dass die Konfliktparteien immer mehr Landminen legten und damit gegen das Minsker Abkommen verstoßen. Es gebe einen deutlichen Abwärtstrend, erklärte er im Juni 2015.

Laut OSZE werde die Minenräumung nur in Gebieten durchgeführt, die für den Wiederaufbau der Infrastruktur entscheidend sei, unter anderem bei Wasserleitungen, oder auf Bahnstrecken.

Matthias Weinreich vom Internationalen Roten Kreuz gab an, dass die Herstellung einer Mine weniger als 1,70 Euro kostet. Wenn die Mine aber einmal vergraben wurde, kostet die Suche 800 Euro. Eine realistischere Alternative sei es, über die Gefahren aufzuklären, vor allem die Landbevölkerung.

Die Europäische Union, das Rote Kreuz und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa arbeiten gemeinsam an Aufklärungskampagnen, während Kiew Warnschilder in betroffenen Gebieten aufstellt.