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Verschwundenes virtuell erfahrbar machen

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Verschwundenes virtuell erfahrbar machen

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Wie können virtuelle Realitäten helfen, verschwundenes geschichtliches Erbe zu bewahren? Dieser Frage ist euronews-Reporter Julián López Gómez für

Wie können virtuelle Realitäten helfen, verschwundenes geschichtliches Erbe zu bewahren? Dieser Frage ist euronews-Reporter Julián López Gómez für unsere Sendung Futuris nachgegangen. Er reiste in die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Bergen-Belsen und erfuhr, wie diese Technologie eingesetzt wird, um Besuchern Informationen über den Ort zu verschaffen.

“Die Gedenkstätte heute ist ein leerer Raum: Es ist gibt keine Barracken mehr und keine Überreste des Lagers. Aber wenn man diese Rekonstruktion sieht und sich damit hier bewegt, dann ist das eine wichtige Hilfe, um ein Gefühl für diesen Ort zu bekommen”, erläutert Stephanie Billib von der Gedenkstätte.

Zehntausende Menschen wurden in Bergen-Belsen zwischen 1941 und 45 getötet. Eine Schulklasse, die das ehemalige KZ besichtigt, ist mit Bildschirmen ausgestattet, auf denen die Gebäude zu sehen sind, die nach dem Zweiten Weltkrieg niedergebrannt wurden.

“Also, ich habe sehr viel gelernt”, sagt ein Schüler. “Es ist ziemlich erschreckend, was hier alles passiert ist. Man kann alles finden. Man sieht hier überall die Massengräber. Man kann den Kinderfriedhof finden. Man kann das Krematorioum finden, wo die Leute verbrannt worden. Es ist ziemlich erscheckend, also ich habe sehr viel gelernt hier heute.”

Geschichtslehrer Jan Frühmark erklärt die Vorteile des interaktiven Ansatzes: “Dieses Tablet und die damit verbundene App hat natürlich dann einen wesentlich stärkeren Motivationssog auf die Schüler, als wenn man das klassisch mit einem Vortrag machen würde.”

“Weil die Geschichte dieses Ortes sowieso ganz schwer zu verstehen ist – das geht ja fast über unser Verstehen hinaus – ist ein emotionaler Zugang sicher auch noch mal eine Hilfe”, so Billib.

Die App wurde von Wissenschaftlern entwickelt, um sogenannte virtuelle und erweiterte Realitäten zu verbinden. Mit dem interaktiven Ansatz soll die Geschichte erfahrbar und nachvollziehbar gemacht werden.

Potentielle Methode für den Geschichtsunterricht

Die Entwickler sitzen in Barcelona. Paul Verschure von der Pompeu Fabra Universität leitet die Arbeitsgruppe SPECS, in der Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammenarbeiten, um Vergangenes virtuell aufzuarbeiten und erfahrbar zu machen.

“Wir haben ein Bildungsmuster geschaffen, um Geschichte zu vermitteln”, sagt er. “Das Räumliche ist bei diesem aktiven Ansatz zugleich Fixpunkt und Medium, um die Erinnerung aufzufrischen. Wir müssen in der Lage sein, die Geschichte an zukünftige Generationen weiterzugeben und ihnen Erfahrungen auf der Grundlage historischer Information zu verschaffen.”

Und das heißt im Klartext: Karten und 3D-Modelle des Konzentrationslagers werden bereitgestellt, virtuelle Blickwinkel und historische Dokumente kommen hinzu: Eine Arbeit, an der Computerspezialisten, aber auch Künstler und Ingenieure beteiligt sind.

Sytse Wierenga ist für die Technik zuständig. Er sieht in dem Ansatz eine Methode, um Schüler für Geschichte zu begeistern: “Der nächste Schritt ist, diese Plattform in das gesamte Bildungssystem einzubinden und als ein echtes Mittel im Geschichtsunterricht zu verwenden: Als eine Methode der Gedenkstätte, um die Vergangenheit zu zeigen”, so Wierenga.

Der Besucher in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen soll die geschichtlichten Fakten mit seinen eigenen Augen sehen und mit der Stätte interagieren. Stephanie Billib: “Man kann ganz spezifisch selber auswählen, was man sehen möchte, was einen interessiert.”

Die interaktive Abbildung verschwundener historischer Stätten fortlaufend zu verfeinern, ist das erklärte Ziel der Entwickler: Im Dienste der Wissenschaft und im Dienste der Bildung.

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