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Trotz Abkommen: Mehr als 50.500 neue Migranten in Griechenland

Das EU-Türkei-Abkommen scheint Migranten und Flüchtlinge kaum aufzuhalten. Nach wie vor kommen sie in großer Zahl über die Ägäis nach Europa. Unser

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Trotz Abkommen: Mehr als 50.500 neue Migranten in Griechenland

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Das EU-Türkei-Abkommen scheint Migranten und Flüchtlinge kaum aufzuhalten. Nach wie vor kommen sie in großer Zahl über die Ägäis nach Europa. Unser Griechenland-Korrespondent Stamatis Giannisis hat die aktuellen Zahlen.

In dieser Woche hat die Zahl der Migranten in Griechenland 50.500 erreicht. 13.000 von ihnen sind im Camp von Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze, 5.500 weitere sind auf Inseln in der Ostägäis nahe der türkischen Küste. 14.000 sollen sich im Großraum Athen aufhalten und 18.000 sind zumeist irgendwo zwischen Athen und den Grenzen im Norden. Trotz des EU-Türkei-Abkommens scheint der Zustrom von Migranten aus der Türkei nach Griechenland ungebrochen.

Ob der Deal wirkt, muss sich noch zeigen. Viele Migranten haben offenbar vor, auf alternative Routen auszuweichen, um doch noch in ihre Wunschländer, vorrangig Deutschland, zu gelangen. Das könne libysichen Schleppern Zulauf bescheren, deren Geschäfte wegen der Balkanroute zuletzt nicht so gut liefen. Jetzt hoffen sie darauf, dass sich Afghanen, Iraker, Syrer, Eritreer von hier aus auf den Weg nach Europa machen. Mehrere Hunderttausend Migranten sind laut der Onlineausgabe der FAZ derzeit in dem nordafrikanischen Land, bereit, jederzeit aufzubrechen.

Der Flüchtlingsdeal

Im Kern des Flüchtlingspakts von EU und Türkei steht ein Tauschhandel: Die EU schickt Migranten, die seit Sonntag die griechischen Inseln erreichen, zurück in die Türkei. Für jeden zurückgeschickten syrischen Flüchtling darf ein anderer Syrer aus der Türkei legal in die EU einreisen. Dabei setzt die EU auf Abschreckung. Wer unerwünscht einreist, dürfte erst viel später oder gar nicht nach Europa.

Bis zu 72.000 Menschen könnten auf diese Weise Aufnahme in Europa finden. Dabei will sich die EU auf bereits gefasste Beschlüsse stützen. So vereinbarten die Staaten im Juni 2015, 22.504 schutzbedürftige Personen aus Staaten außerhalb Europas (etwa aus dem Libanon, Jordanien und der Türkei) Zuflucht zu gewähren. Aus dieser Gruppe sind noch etwa 18.000 Menschen übrig.

Davon unabhängig einigten sich die EU-Staaten im vergangenen Jahr auf die Verteilung von bis zu 160.000 Flüchtlingen aus den überlasteten Ankunftsländern Italien und Griechenland auf andere europäische Staaten. Davon sollen bis zu 54.000 Personen nun nicht aus Italien und Griechenland übernommen werden, sondern aus der Türkei.

Die EU zählt die 18.000 Personen aus der ersten und die 54.000 Menschen aus der zweiten Gruppe zusammen und kommt auf bis zu 72.000 Flüchtlinge, die sie der Türkei abnehmen könnte. Davon müsste Deutschland nach früheren Vorschlägen und ergänzenden Angaben aus der EU-Kommission rund 16.000 Menschen aufnehmen.