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Das Thessaloniki Filmfestival wird 18

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Das Thessaloniki Filmfestival wird 18

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Auf dem diesjährigen Dokumentarfilmfestival von Thessaloniki dominierte ein Thema: Die Flüchtlingskrise in Europa. Filme, die die Verzweiflung, aber

Auf dem diesjährigen Dokumentarfilmfestival von Thessaloniki dominierte ein Thema: Die Flüchtlingskrise in Europa. Filme, die die Verzweiflung, aber auch Hoffnung der Menschen auf ein besseres Leben widerspiegeln.

Publikumspreis für Landfill Harmonic

Den Publikumspreis des 18. Festivals erhielt der Dokumentarfilm Landfill Harmonic-A Symphony of the Human Spirit von Brad Allgood und Graham Townsley. Die Doku folgt dem “Recycling Orchester Cateura” aus Paraguay. Sie erzählt vom Leben der Kinder in einem Slum, gleich neben einer Mülldeponie. Das Besondere: Die Kinder haben gelernt, auf selbstgebauten Instrumenten zu spielen, die aus wiederverwertetem Müll gemacht wurden. Ihre Geschichte erobert im Sturm das Internet, inzwischen tourt das Orchester durch die Welt.

Argo Navis Publikumspreis für den besten griechischen Dokumentarfilm

“Argo Navis” von Stelios Efstathopoulos und Susanne Bausinger gewann den Publikumspreis für den besten griechischen Dokumentarfilm.

Im Jahr 2003 begann eine Gruppe von Wissenschaftlern den Nachbau eines vorzeitlichen Schiffs. Das Experiment war Teil eines archäologisch-nautischen Forschungsprojekts. “Argo Navis” erzählt die Geschichte des Schiffs: von der Auswahl der geeigneten Bäume für den Nachbau, der über zwei Jahre dauert, und seine anschließende Reise auf See: Die moderne “Argo” muss eine rund 2000 Kilometer weite Reise in 60 Tagen zurücklegen.

“Es war eine verträumte Zeitreise, die in unserer heutigen Welt endete.”, so der Regisseur Stelios Efstathopoulos. Susanne Bausinger fügt hinzu: “Wir haben diesen Film zur gleichen Zeit gedreht, als so viele Menschen im Meer ertranken. Ich habe mich deswegen sehr schlecht gefühlt. Die Geschichte der “Argo” erinnert uns an das raue Leben auf See. Sie ist ein Ort, wo Ideen, Sklaven, Waffen und Güter getauscht wurden. Jetzt muss sie sich wieder beruhigen, sie muss ein Ort des friedlichen Zusammenlebens der Menschen im Mittelmeerraum werden, kein Massengrab.”

Die Zeichen des Himmels lesen: Whispers of the Sky


Die Regisseurin Maro Anastopoulou gewann den FIPRESCI-Preis für ihre griechische Doku Whispers of the Sky. Die Menschen auf der kleinen griechischen Insel “Amorgos” arbeiten schwer – und genießen das Leben. Kapitän Constantis und Leonidas, der Schäfer, haben ihr gesamtes Leben auf der Insel verbracht. Ihr Alltag wird durch ein gemeinsames Ziel bestimmt, die Zeichen des Himmels zu lesen: Winde, Sterne, Wolken und das Meer flüstern zu den Inselbewohnern:
“Ich habe diesen Preis nicht erwartet. Er ist sehr wichtig für mich, denn es ist eine selbstgemachte Produktion. Wir haben das Projekt zusammen mit meinem Team gestemmt, alle, die an das Projekt glaubten.”, so Maro Anastopoulou.

“Das Leben schreibt die besten Geschichten” – Mark Cousins


Der erste Ehrung auf dem Festival ging an Mark Cousins. Der nordirische Filmemacher ist außerdem Kurator und Schriftsteller, er lebt in Schottland. Seine Dokumentarfilme kombinieren Dichtung, Philosophie. Warum er Dokumentarfilme so mag?

“Auf Englisch sagen wir: Das Leben schreibt die besten Geschichten. Ich glaube, das stimmt. Wenn man sich das richtige Leben anschaut, zum Beispiel, was in einer Stadt wie Thessaloniki passiert, das kann man sich nicht ausdenken! Das Leben geht auf und ab, es hat Höhen und Tiefen. Für mich ist eine Fiktion sehr banal, verglichen mit Spektrum an Emotionen in Dokumentarfilmen.”




Jon Bang Carlsen lässt Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen

Jon Bang Carlsens Schaffen wurde ebenfalls gewürdigt. Er ist einer von Dänemarks führenden Regisseuren. Seit über 40 Jahren macht er Dokumentarfilme und ist bekannt für seine unkonventionellen Inszenierungen. Absichtlich lässt er die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschimmen. Dabei verzerrt er Daten, die andere Dokumentarfilmer lieber unangetastet lassen: “Ich glaube nicht an einfache Wahrheiten. Die Wahrheit interessiert mich nicht. Ich interessiere mich für Aufrichtigkeit. Wir sind alle gefangen in unserem eigenen Denken. Das Einzige, was ich als Filmemacher tun kann, ist: Das darzustellen, was mich interessiert, was mich emotional anregt und das natürlich so künstlerisch wie möglich umzusetzen.”, so der Regisseur.

DOK Leipzig 2013 – Interveiw Jon Bang Carlsen from DOK Leipzig on Vimeo.


Dimitri Eipides, der Vater des Thessaloniki Filmfestivals verabschiedet sich

Das Thessaloniki Filmfestival ist jetzt erwachsen: Nach 18 Jahren verabschiedet sich Dimitri Eipides#, der “Vater” des Festivals. Warum ist das Festival so erfolgreich? “Das Publikum in Thessaloniki ist dafür verantwortlich. Von Anfang an hat die Stadt das Festival angenommen und unterstützt. Das ist der Grund, warum es zum wichtigsten Filmfestival in der Balkanregion werden konnte und in Europa geschätzt wird.”

Zehn Tage lang haben die Menschen in Thessaloniki rund 200 Dokumentarfilme aus aller Welt gesehen. Wie immer spiegelt die Veranstaltung aktuelle Themen wider, so prägte in diesem Jahr die Flüchtlings- und humanitären Krise das Festival. Die Anzahl griechischer Filme war beeindruckend: 73 Dokumentarfilme wurden gezeigt, ein Rekord in der Festivalgeschichte.