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ExoMars: Auf dem Weg zum Roten Planeten

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ExoMars: Auf dem Weg zum Roten Planeten

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Die Sonde ExoMars ist auf dem Weg zum Roten Planeten, um dort nach Leben zu suchen.

Die Sonde ExoMars ist auf dem Weg zum Roten Planeten, um dort nach Leben zu suchen. Es ist eine unglaubliche wissenschaftliche Herausforderung, und wir begleiten in diesem Jahr in der Sonderserie “Destination Mars” die Menschen, die seit Jahren an dieser Mission arbeiten.

Meinung

Der Rote Planet wirkt unbewohnbar, aber das heißt nicht, dass er nicht bewohnt wird.

Auf zum Mars!

Das ExoMars-Abenteuer beginnt in Baikonur, mitten in der kargen kasachischen Steppe. Von hier aus flog 1961 Juri Gagarin als erster Mensch ins All. Und noch immer wird in Baikonur Weltraumgeschichte geschrieben. Forscher und Ingenieure aus Europa und Russland sind angereist, um den Start der Rakete mitzuerleben. Wissenschaftliche Instrumente, an denen sie Jahre gearbeitet haben, werden zum Mars geschickt.

Nicolas Thomas, Leiter des Berner CaSSIS-Teams, ist angespannt: “Seit 40 Minuten ungefähr fühle ich mich ganz kribbelig. Ich werde langsam nervös. Man denkt an all die Menschen, die so viel Arbeit investiert haben. Man sieht die Menschen, die hier sind, und man denkt an jene, die zu Hause geblieben sind. Sie alle haben sich unglaublich viel Mühe gegeben, um diese Sonde auf die Startrampe zu bringen. Wann ist der Start? In fünf Minuten? Ich werde jetzt schon etwas nervös.”

Alles ist gut gelaufen. Die Sonde ist problemlos gestartet, aber es gibt noch viel zu tun. Wenige Stunden später im Missionskontrollzentrum in Moskau ist die Nervosität wieder spürbar. ExoMars bereitet sich auf ein schwieriges Manöver im Weltraum vor. Die Raketen-Oberstufe muss mehrmals gezündet werden, damit sie sich von der Sonde trennt und sie Richtung Mars schickt. Die Abtrennung ist geglückt, und die Erleichterung ist groß.

Der deutsche Physiker Thomas Passvogel arbeitet für die ESA. Er erklärt, was jetzt auf die Sonde zukommt: “Wir führen alle Tests durch, um sicherzugehen, dass wir die Sonde wirklich unter Kontrolle haben. In den folgenden Wochen testen wir alle Instrumente, alle Funktionen der Sonde und die große Antenne für die Kommunikation mit der Erde. Alles muss getestet werden, und es muss in dieser Phase geschehen. Dann entfernt sich die Sonde immer mehr bis wir ein letztes Mal den Kurs überprüfen und sie in Richtung Mars schleudern.”

Die Rätsel des Roten Planeten

Die erste der zwei ExoMars-Missionen soll u.a. in der Atmosphäre des Roten Planeten nach Methan suchen. Mars-Experten in Europa und Russland erhoffen sich von ExoMars neue Erkenntnisse. Patrick Thollet von der Ecole Normale Superieure in Lyon in Frankreich will herausfinden, warum es auf dem Mars kleinen Mengen an Methan gibt. Ein bislang ungelöstes Rätsel. “Das Gas, das uns am meisten interessiert, ist das Methan. Denn das Methan in der Atmosphäre des Mars ist nicht stabil. Das Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre des Mars hingegen ist stabil. Wenn Methan hinzugefügt wird, dann wird es innerhalb von mehreren hundert Jahren zu Kohlenstoffdioxid werden. Wenn es also Methan gibt, dann wird es derzeit vom Planeten abgesondert,” so Patrick Thollet.

Die Wissenschaftler werden verfolgen, von wo aus der Mars Methan absondert und ihre Erkenntnisse dann mit den neuen Bildern vergleichen, die ExoMars machen wird. Cathy Quantin-Nataf, Professorin an der Universität in Lyon, interssiert sich vor allem für die Kamera CaSSIS: “Mit dieser Kamera werden wir vom Mars Bilder bekommen – in Farbe und in einer Auflösung, die wir bislang noch nicht hatten. Wir werden die Topographie und die Hügel in hoher Auflösung haben.”

Auch der Verdacht auf salziges Wasser auf dem Mars hat unter den Forschern viele Fragen aufgeworfen. Patrick Thollet betont: “Wir haben nicht wirklich flüssiges Wasser auf dem Mars entdeckt. Wir haben Spuren von Salz entdeckt, die vielleicht durch flüssiges Wasser hinterlassen wurden. Aber wir sprechen hier nicht von Kochsalz, sondern von Salz, das eher dem Salz ähnelt, das man in Wasser gibt, um Bleichmittel zu machen. Es ist also nicht unbedingt etwas, das Leben fördert.”

Leben auf dem Mars?

Wenn ExoMars den Roten Planeten im Oktober erreicht, wird sie sich trennen. Die Hauptsonde wird in der Umlaufbahn des Planeten bleiben und der kleine Lander Schiaparelli wird auf die Oberfläche des Mars zusteuern. Die Oberfläche wird vielleicht ein wenig an die Steppen von Baikonur erinnern, aber mit einem großen Unterschied: Der Mars ist sehr viel kälter und trockener.

Francesca Ferri, die Leiterin des Projekts AMELIA, erklärt: “Der Lander Schiaparelli wird die Atmosphäre durchqueren. Wir können so die Verhältnisse in der Atmosphäre messen und ein Profil erstellen. So werden wir in der Lage sein, das Klima auf dem Mars besser zu verstehen.” Währenddessen werden die Spektrometer an Bord der Hauptsonde von der Umlaufbahn aus die Atmosphäre des Mars untersuchen.

All diese Messungen sollen dabei helfen, die wichtigste Frage überhaupt zu beantworten: Gibt es oder gab es jemals Leben auf dem Mars? Cathy Quantin-Nataf schließt die Möglichkeit nicht aus: “Der Planet wirkt unbewohnbar, aber das heißt nicht, dass er nicht bewohnt wird.”
Nicolas Thomas ist da sehr viel vorsichtiger: “Wenn es dort Methan in großen Mengen gibt und man es an gewissen Orten findet, bedeutet das nicht, dass es etwas Lebendiges gibt. Ich bin eher skeptisch was diese ganze Geschichte vom Leben auf Mars anbelangt. Ich versuche die anderen zu bremsen.”