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UN-Kriegsverbechertribunal: Urteil gegen Ex-Serbenführer Karadžić

21 Jahre nach dem Völkermord in Srebrenica fällt das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag heute das Urteil gegen Radovan Karadžić. Der frühere

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UN-Kriegsverbechertribunal: Urteil gegen Ex-Serbenführer Karadžić

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21 Jahre nach dem Völkermord in Srebrenica fällt das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag heute das Urteil gegen Radovan Karadžić. Der frühere bosnische Serbenführer gilt als politischer Hauptverantwortlicher des Massakers, bei dem im Juli 1995 etwa 8000 muslimische Männer und Jungen im Osten Bosniens von serbischen Einheiten ermordet wurden. Dem früheren Psychiater droht lebenslange Haft. Karadžić ist wegen Völkermords in zwei Fällen angeklagt: neben dem Massaker von Srebrenica auch für Morde in bosnischen Kommunen wie bei der Belagerung von Sarajewo. Außerdem werden dem 70-Jährigen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen. Der Prozess, in dem er sich selbst verteidigte, dauerte sechs Jahre. Nach 13 Jahren auf der Flucht war der ehemalige Serbenführer 2008 festgenommen worden.

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8372 Opfer wurden in den vergangenen 21 Jahren identifiziert.

“Wir müssen den Extremisten zeigen – und nicht nur den Serben, sondern den Extremisten auf der ganzen Welt – dass diejenigen, die einen Völkermord oder andere Kriegsverbrechen begangen haben, am Ende ihre Strafe bekommen”, sagte der Überlebende Amir Kulaglic.

Der Bosnienkrieg forderte mehr als 100.000 Opfer. Allein bei der mehr als 44 Monate dauernden Belagerung von Sarajevo wurden mindestens 10.000 Menschen getötet.

Euronews-Reporterin Andrea Hajagos in Srebrenica: “8372 Opfer wurden in den vergangenen 21 Jahren identifiziert. Für ihre Familienmitglieder sind dieser Tag und das Urteil, das in Den Haag gefällt wird, sehr wichtig.”

Nach Darstellung der Anklage wollte Karadžić ein ethnisch reines Groß-Serbien erreichen. Gemeinsam mit dem damaligen jugoslawischen Staatspräsidenten Slobodan Milošević und Ex-General Ratko Mladić wollte er bosnische Muslime und Kroaten dauerhaft vertreiben. Milošević war während seines Prozesses 2006 in der Zelle an einem Herzinfarkt gestorben. Der Prozess gegen Ex-General Mladić soll in diesem Jahr zu Ende gehen. Auch ihm droht wegen des Völkermords von Srebrenica eine lebenslange Haftstrafe.

In fast 500 Sitzungstagen wurden 586 Zeugen gehört. Es gibt 800.000 Seiten Gerichtsakten. Zur Urteilverkündung in Den Haag werden 150 Opfer und Hinterbliebene erwartet.