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Russland: Führende IT-Unternehmer wollen neues Programm für mehr Datensicherheit herausbringen - droht mehr Zensur?

Natalia Kasperskaya ist Mitbegründerin des russischen Softwareunternehmens Kaspersky Lab, dass sich mit Antivirenprogrammen einen Namen gemacht hat

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Russland: Führende IT-Unternehmer wollen neues Programm für mehr Datensicherheit herausbringen - droht mehr Zensur?

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Natalia Kasperskaya ist Mitbegründerin des russischen Softwareunternehmens Kaspersky Lab, dass sich mit Antivirenprogrammen einen Namen gemacht hat. Igor Ashmanov hat das Unternehmen Ashmanov and Partners gegründet, ein führendes IT-Unternehmen in Russland, das sich laut eigenen Angaben auf Internetmarketing spezialisiert hat. Beide haben jetzt zusammen ein neues Projekt ins Leben gerufen: Eine Organisation, die Cyberangriffe vorzeitig erkennen und abwehren soll. Wie das Bloggernetzwerk Global Voices berichtet, will Kasperskaya damit auf eine Forderung von Präsident Wladimir Putin reagieren. Dies habe die IT-Unternehmerin gegenüber russischen Medien gesagt.

Putin hatte beim ersten russischen Forum zur Internetwirtschaft im Dezember gesagt, dass Geheimdienste und andere Behörden die Bekämpfung von Datenangriffen angehen. Kasperskaya sucht laut Global Voices derzeit nach Investoren. Sie gehe davon aus, dass das Projekt zu Beginn durch verschiedene Fördergelder, unter anderem der Regierung, finanziert werde. Der Kreml bestätigte das bisher nicht

Welches Ziel hat das Projekt?

Das Programm soll Cyberangriffe abwehren, heißt es. Das schließt laut Ashmanov “Propagandakampagnen, Fehlinformationen, bewusste Falschmeldungen und virale Inhalte” ein. Er und Kasperskaya wollen dafür laut Berichten auf eine Technologie zurückgreifen, die bereits in ihrem gemeinsamen Projekt Kribrum zum Einsatz kommt. Die dort benutzte Software kann demnach Inhalte beispielsweise aus sozialen Medien abgreifen und die dort angeblich geäußerten Gefühle untersuchen. Sie sei dazu in der Lage, einen Datenangriff vorherzusagen und die Organisatoren ausfindig zu machen, so Ashmanov laut Global Voices. Die Autorin des Artikels geht davon aus, dass die Technik vor allem in russischen sozialen Medien und in der Blogosphäre zum Einsatz kommt, wo politische Debatten am heißesten geführt werden.

Inwiefern die Technologie zur Zensur eingesetzt werden könnte, ist nicht klar. Die Autorin des Artikels verweist darauf, dass die russische Menschenrechtsorganisation Agora in ihrem Bericht für das vergangene Jahr schrieb, dass die russischen Behörden Inhalte regelmäßig filtern und blockieren – Methoden, die demnach zunehmend als ineffizient betrachtet werden. Zu den Themen, die für Userinnen und User besonders heikel sind, zählen laut Agora die Annektion der Krim, russische Militäroperationen in der Ostukraine, Religion, Homo- und Transsexualität, Korruption und regierungskritische Proteste.

Unliebsame Webseiten können laut Reporter ohne Grenzen “schnell und unbürokratisch” gesperrt werden. Blogs von Regierungskritikern würden teilweise ganz gelöscht. Russland steht auf der Rangliste zur Pressefreiheit der Organisation auf Platz 152 von 180. Das Land gehört zudem zu den Feinden des Internets, die Reporter ohne Grenzen jedes Jahr ausmacht.