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Lehrer sagen Orbáns Regierung den Kampf an

In Ungarn protestieren erneut Lehrer mit Menschenketten gegen die Zentralisierung des Unterrichtswesens. In einem Akt zivilen Umgehorsams haben

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Lehrer sagen Orbáns Regierung den Kampf an

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In Ungarn protestieren erneut Lehrer mit Menschenketten gegen die Zentralisierung des Unterrichtswesens. In einem Akt zivilen Umgehorsams haben Lehrer an rund 250 ungarischen Schulen Proteste gegen die rechts-konserative Regierung organisiert. Streiks sind nach Gesetzesänderungen unter der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban kaum mehr möglich.

Zugleich mussten alle Lehrer zwangsweise dem von der Regierung kontrollierten “Nationalen Pädagogenkorps” beitreten. Die Pflichtunterrichtsstunden für Lehrer wurden von 22 auf 26 erhöht, ihre Lehrpläne mit immer neuen Inhalten vollgestopft. Unter dem Etikett der Qualitätskontrolle des Unterrichts bekamen sie zusätzlich viele zeitraubende und bürokratische Pflichten aufgebürdet.

Im Herbst 2012 wurde eine Mega-Institution namens “Klebelsberg-Zentrum” gegründet, benannt nach einem ungarischen Bildungspolitiker der Zwischenkriegszeit. Sie beaufsichtigt alle staatlichen Schulen und die rund 120.000 Lehrer im Land, erstellt den zentralen Lehrplan und ist für sämtliche Personalfragen und Anschaffungen an Schulen zuständig. Ein “bürokratisches Monstrum” nennen es viele Pädagogen. Die Kritiker protestieren gegen die Ideologisierung der Lehrpläne, die beschränkte Auswahl an Schulbüchern und die Zentralisierung der Direktorenberufungen und Lehreranstellungen. Die Regierung hat einen runden Tisch einberufen, der aber wegen mangelnder Objektivität als untaugliche Alibiveranstaltung kritisiert wird, denn Diskussionen zu bestimmten Themen wie der grundlegenden Reformierung des “Klebelsberg-Zentrums” sind ausgeschlossen.

Die Orbán-Regierung hat inzwischen erkannt, wie gefährlich ihr diese Bewegung werden könnte: In Meinungsumfragen stehen mehr als drei Viertel der Bevölkerung hinter dem Pädagogenprotest, darunter auch eine Mehrheit der Wähler aus dem Regierungslager. Rund 50.000 Eltern ließen am letzten Februartag ihre Kinder aus Protest zu Hause.

Seit Jahresbeginn kommt es immer wieder zu Protesten gegen die Bildungspolitik der Regierung Orban, die auch von der EU wegen Demokratieabbaus kritisiert wird, Die Protestbewegung droht mit einem Ultimatum:

Euronews Korrespondentin Andrea Hajagos meldet aus Budapest, die Organisatoren geben der Regierung noch zwei Wochen für Fortschritte, sie drohen ansonsten mit weiteren Aktionen.