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Bryn Terfel überzeugt als Mussorgskis gequälter Zar

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Bryn Terfel überzeugt als Mussorgskis gequälter Zar

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Es ist ein russisches Meisterwerk – Modest Mussorgskis einzig vollendete Oper “Boris Godunow”. Zum ersten Mal bringt das Londoner Royal Opera House

Es ist ein russisches Meisterwerk – Modest Mussorgskis einzig vollendete Oper “Boris Godunow”. Zum ersten Mal bringt das Londoner Royal Opera House die selten aufgeführte Urfassung von 1869 auf die Bühne und es ist auch ein Debüt für den berühmten Bassbariton Bryn Terfel in der Hauptrolle.

Meinung

Nachdem man zwei Noten von dieser Oper gehört hat, weiß man komischerweise sofort, dass es sich um eine russische Oper handelt. Sie hat diese ausgeprägte Klangfarbe, die Farbe der Kontrabässe, der Fagotte, der Cellos. Mussorgski hat eine Welt geschaffen, die sich ganz um sein Land dreht.

Bryn Terfel über sein Debüt: “Es ist unglaublich wichtig, dass man die richtigen Rollen zum passenden Zeitpunkt in seiner Karriere auswählt. Ich bin jetzt 50 Jahre alt und ich habe das Gefühl, dass ich noch mal einen Gang hochschalten kann, zu einem anderen Rollenrepertoire.”

Er verkörpert den Zaren Boris Godunow, der langsam dem Wahnsinn verfällt. Es ist eine der legendärsten Baritonrollen aller Zeiten. Fast ein ganzes Jahr lang hat der Waliser für diese Rolle geprobt und vor allem an seiner Aussprache gefeilt. “Deutsch, Italienisch, Französisch – da kann man sich selbst korrigieren. Russisch ist da eine ganz andere Liga. Es ist eine neue Sprache für mich”, erklärt Terfel und fügt hinzu: “Im Orchester hier in Covent Garden haben wir auch viele Russen. Ich habe also oft zum Stimmführer der 2. Geigen und zum zweiten Pult der Bratschen geschaut, und sie haben mir zugeblinzelt und so ihre Zustimmung gezeigt.”

Die neue, fesselnde Inszenierung von Richard Jones wird von dem energetischen Musikdirektor Sir Antonio Pappano höchstpersönlich dirigiert – auch für ihn ist es eine Premiere.

Antonio Pappano zur Musik: „Nachdem man zwei Noten von dieser Oper gehört hat, weiß man komischerweise sofort, dass es sich um eine russische Oper handelt. Sie hat diese ausgeprägte Klangfarbe, die Farbe der Kontrabässe, der Fagotte, der Cellos. Mussorgski hat eine Welt geschaffen, die sich ganz um sein Land dreht.” Dieser Auffassung ist auch Bryn Terfel: “Zweifellos kann man die Tatsache nicht verstecken, dass diese Oper von Natur aus unglaublich russisch ist, diese tiefen Instrumente, diese dunklen, wunderschönen Melodien. Er hat besonders für die tiefen Stimmen komponiert.”

Zar Boris Godunow aus dem 16. Jahrhundert war die Inspiration für diese Historienoper. Er kam an die Macht, indem er angeblich den echten Erben ermorden ließ. Antonio Pappano zur Entstehungsgeschichte der Oper: “Die Dramenvorlage stammt von Alexander Puschkin, der die Geschichte ein bisschen, sagen wir mal, ausgeschmückt hat. Wir wissen nicht, ob Boris den jungen Dimitry wirklich ermorden ließ. Wir kennen die Umstände nicht sicher, aber es ist eben großartiger Theaterstoff. Jemanden zu sehen, der sich quält, der psychologisch unter dem Gewicht seiner Schuld leidet, das ist im Theater etwas ganz Interessantes.”

Für Terfel ist die Darstellung der Figur besonders gut gelungen: “Es ist eine psychologisch nuancierte Charakterisierung, besonders wenn die Todes-Szene beginnt. Diese dunkle Seite, diese innere Aufruhr in ihm sind immer vorhanden. Es ist der Aufstieg und Fall von Boris Godunow und in dem Moment, in dem er mit seinem Sohn allein ist, gibt es diese wunderschöne volkstümliche Melodie, und er sagt zu seinem Sohn: nun ist es an Dir, pass auf Dich auf.”