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Reaktionen auf Freispruch für serbischen Nationalisten Seselj: "Dieses Urteil ist eine Schande"

Nach seinem Freispruch vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat der nationalistische serbische Politiker Vojislav Seselj in Belgrad

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Reaktionen auf Freispruch für serbischen Nationalisten Seselj: "Dieses Urteil ist eine Schande"

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Nach seinem Freispruch vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat der nationalistische serbische Politiker Vojislav Seselj in Belgrad angekündigt, er werde für seine elf Jahre andauernde Haft eine Entschädigung von 14 Millionen Euro fordern. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass er unschuldig sei. Seselj: “Meine Einstellung gegenüber dem Tribunal in Den Haag als antiserbisches Gericht und als Instrument einer neuen Weltordnung hat sich nicht im geringsten verändert. In dem Moment, als ich nach Den Haag gegangen bin, wusste ich, dass sie kein Verbrechen werden nachweisen können.”

Die Anklage hatte wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in neun Punkten 28 Jahre Haft gefordert. Die Richter in Den Haag hatten nach 13 Prozessjahren mit zwei zu einer Stimme für den Freispruch gestimmt.

Politik und Medien in Kroatien reagierten schockiert. Zagreb verhängte ein Einreiseverbot gegen den Politiker. Seselj galt im Balkankrieg in den 90ern wegen hasserfüllter Propaganda gegen Kroaten und Muslime als einer der schlimmsten Kriegstreiber. Der kroatische Regierungschef Tihomir Oreskovi: “Dieses Urteil ist eine Schande. Es ist eine Niederlage für das Tribunal in Den Haag und die Anklage. Ich bin heute in Vukova, wo Seselj Verbrechen begangen hat, für die er nicht die geringste Reue gezeigt hat.”

Auch im Dorf Memici im heutigen Bosnien und Herzegowina sind die Erinnerungen an Massentötungen durch serbische Truppen noch präsent. Muharem Sinanovic wurde aus seinem Dorf vertrieben, als 1992 die Milizengruppe “Weiße Adler” anrückte, die aus Unterstützern Seseljs bestand. Sinanovic: “Diese Kriegsverbrechen gibt es heute noch in der Republik Srpska. Wir sind daran gewöhnt. Wir haben ein dickes Fell und hoffen, dass es irgendwann Gerechtigkeit gibt.”