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"Erst nach der Wiedereröffnung des Flughafens werden wir den Schaden für das Image der Stadt kennen"

Interview mit dem Direktor der Brüsseler Tourismusagentur "VisitBrussels"

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"Erst nach der Wiedereröffnung des Flughafens werden wir den Schaden für das Image der Stadt kennen"

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Brüssel ist eine der beliebtesten Reiseziele auf einer Tour europäischer Hauptstädte. Was haben die Anschläge daran geändert, was sind die wirtschaftlichen Folgen? Gregoire Lory sprach mit dem Direktor der Brüsseler Tourismusagentur “VisitBrussels”, Patrick Bontinck.

Euronews:
Lassen sich die Auswirkungen der Anschläge auf die Brüsseler Toursimusbranche schon beziffern?

Patrick Bontinck:
Wir haben die aktuellen Zahlen aus allen europäischen Hauptstädten nach den Anschlägen. Demnach hat Brüssel 50% verloren, London 30, Berlin 38 und Paris 35%. Es sind also alle betroffen.
Diese Zahlen beziehen sich im Wesentlichen auf die Hotelauslastung. Und hier in Brüssel haben wir ja die doppelte Auswirkung, weil der Flughafen selbst betroffen ist.
Es ist also für viele Besucher auch objektiv schwierig, hierher zu kommen.

Euronews:
Wie wichtig ist denn der Tourismus für Brüssel?

Patrick Bontinck:
Die Tourismusbranche beschäftigt allein in Brüssel 50-tausend Menschen und ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt beträgt fast zehn Prozent, das ist viel.
Es gibt die normalen Maßnahmen für betriebsbedingte Kündigungen, aber noch keine speziellen für diese Situation. Die betroffenen Verbände verhandeln gerade mit den verschiedenen Regierungen, wie der Einbruch aufgefangen und die schwierige Zeit überbrückt werden kann

euronews:
Wie lange muss man sich Sorgen um die Brüsseler Tourismusbranche machen?

Patrick Bontinck:
Das ist schwer zu sagen, aber wie wir in Paris gesehen haben, können die Auswirkungen in einem Zeitraum von sechs Wochen bis zu drei Monaten nach den Anschlägen zu spüren sein.

euronews:
Wissen sie denn, welche Touristen sich für Stornierungen entschieden haben?

Patrick Bontinck:
Nicht wirklich, denn wir können nicht unterscheiden zwischen denjenigen, die wegen der Anschläge storniert haben und denjenigen, die das wegen der Schließung des Flughafens getan haben.
Es ist noch zu früh für eine genaue Messung der Auswrikungen. Sobald der Flughafen seinen Betrieb wiederaufnimmt, werden wir in der Lage sein, den entstandenen Schaden für das Image der Stadt einzuschätzen.

euronews:
Im vergangenen November haben sie die Aktion #CallBrussels ins Leben gerufen, wo die interessierte Öffentlichkeit per Telefon Fragen über Brüssel beantwortet bekommt. Wird es jetzt etwas Vergleichbares geben?

Patrick Bontinck:
Mit dieser Aktion wollten wir sowohl Bürgern als auch Besuchern einen Blick auf das wahre Brüssel ermöglichen. Was wir darüberhinaus machen, haben wir noch nicht entschieden. Aber auf jeden Fall, wollen wir die Brüsseler selbst miteinbeziehen, denn sie haben wirklich Widerstandsfähigkeit bewiesen. Wir wollen ihnen auch weiterhin eine Stimme in künftigen Werbeaktionen geben, denn letztendlich machen auch die Menschen die dort leben eine Stadt attraktiv.