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Missbrauchsskandale in katholischer Kirche Frankreichs: Lyoner Opferverein begrüßt Berufung von Expertenkommission

François Devaux ist einer von jenen, die für einen Wandel und Transparenz in der katholischen Kirche kämpfen. Er ist Vorsitzender von La Parole

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Missbrauchsskandale in katholischer Kirche Frankreichs: Lyoner Opferverein begrüßt Berufung von Expertenkommission

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François Devaux ist einer von jenen, die für einen Wandel und Transparenz in der katholischen Kirche kämpfen. Er ist Vorsitzender von La Parole Liberée (frei übersetzt etwa: “Das befreite Wort”), einer französischen Organisation, die für die Interessen von Missbrauchsopfer in Lyon Eintritt.

Der 37-Jährige ist selbst mutmaßliches Opfer des einst hoch geschätzten Lyoner Geistlichen Bernard Preynat, der beschuldigt wird, in in den 70er und 80er Jahren mehrere Jungen missbraucht zu haben.

Devaux begrüßt die Entscheidung der katholischen Bischöfe Frankreichs, zum Thema Missbrauch in der Kirche eine unabhängige Expertenkommission zu berufen: “Diese Maßnahmen scheinen mit gut zu sein und da zeigen sich echte Fortschritte. Wir sind einige Etappen weiter gekommen, und die Entscheidung wirkt glaubwürdig. Aber wir brauchen noch mehr.”

Dutzende Menschen hätten sich an seine Organisation gewendet und Missbrauchsfälle gemeldet, so Devaux. Was fehle, sei ein Kulturwandel in der katholischen Kirche und der Wille, personelle Konsequenzen zu ziehen, auch bei jenen, die für die Kultur des Schweigens stünden.

“Was ich erwarte, ist ein sofortiger Abgang des Lyoner Erzbischofs Barbarin. Meiner Meinung nach hätte er das längst tun sollen. Dieser Mann muss seinen Posten räumen. Solange er das nicht tut, habe ich kein Vertrauen.”

Die jüngste Initiative sei zwar richtig, doch die Kirche selbst reagiere auf die Anschuldigungen immer noch nicht so, wie es die mutmaßlichen Opfer verdienten. Er fühle sich bei den Verantwortlichen nach wie vor ignoriert.

“Ich habe versucht, den Apostolischen Nunzius (den diplomatischen Vertreter des Vatikan, hier in Paris) zu kontaktieren, und mindestens fünf Mal den Vatikan selbst”, sagt Devaux. “Nicht ein einziger Kardinal wollte mit mir am Telefon sprechen. Und ich habe allen Sekretären gesagt: Achtung, diese Sache wird ein echtes Trauma für diese Institution werden. Es müssen echte Entscheidungen gefällt werden, wenn das Vertrauen wieder hergestellt werden soll. Erst wenn das Vertrauen wieder da ist, sind diese anderen guten Maßnahmen wirklich etwas wert”, so Devaux.