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Auch nach 2 Jahren: Keine Rettung für Nigerias Chibok-Mädchen

Genau vor 2 Jahren verschleppte die Terrormiliz Boko Haram in Nigeria mehr als 200 Mädchen aus ihrer Schule in Chibok. Bisher konnten die Mädchen

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Auch nach 2 Jahren: Keine Rettung für Nigerias Chibok-Mädchen

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Genau vor 2 Jahren verschleppte die Terrormiliz Boko Haram in Nigeria mehr als 200 Mädchen aus ihrer Schule in Chibok. Bisher konnten die Mädchen trotz vieler Versprechen seitens der Regierung und des weltweiten Aufschreis nicht befreit werden.

Meinung

Das ist der Inbegriff des Bösen.

Die Eltern der Mädchen hoffen seit langem vergebens auf ihre Rettung: “Als das passiert ist, wollte ich einfach nicht mehr sein. Ich wäre lieber gestorben, als so etwas erleben zu müssen”, sagt Esther Yakubu, die Mutter eines entführten Mädchens in Nigerias Hauptstadt Abuja.

Die Welt war entsetzt als bekannt wurde, dass islamistische Terroristen in der Nacht des 14. April 2014 mehr als 276 Mädchen aus dem Schlafsaal ihrer Schule in der Stadt Chibok im Nordosten Nigerias entführt hatten. 57 Schülerinnen konnten fliehen, bis heute sind 219 Mädchen weiter in der Gewalt der Extremisten.

Die islamistische Terrormiliz Boko Haram hält die Mädchen, die weltweit als «Chibok-Girls» bekannt wurden, Zeugenberichten zufolge entweder als Sexsklaven oder zwingt sie zum Übertritt zum Islam und zur Heirat. Es wird auch befürchtet, dass einige der Mädchen von den Boko Haram Extremisten zu Selbstmordattentaten gezwungen wurden.

Die Zahl minderjähriger Selbstmordattentäter in Nigeria und den Nachbarländern ist laut UNO im vergangenen Jahr nach Angaben von
Unicef drastisch nach oben geschnellt. 2014 waren nur vier Kinder oder Jugendliche an Selbstmordattentaten beteiligt, 2015 waren es in Nigeria, Kamerun und dem Tschad bereits 44, wie das UN-Kinderhilfswerk am Dienstag mitteilte. Drei Viertel der Attentate seien von Mädchen ausgeführt worden, hieß es weiter.

“Wenn eine gewalttätige Extremistengruppe einem siebenjährigem Mädchen einen Bombengürtel umschnallt und sie damit auf den Markt schickt, um sie dann in die Luft zu sprengen – das ist für mich wirklich der Inbegriff des Bösen. Ich kann mir wirklich nichts Schlimmeres vorstellen. Im Norden Kameruns haben sich alleine in einem Monat – in diesem Januar – 63 Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Mehr als die Hälfte der Selbstmordattentäter waren Mädchen oder junge Frauen”, erklärte Toby Lanzer, der humanitäre UN-Koordinator für das Sahel-Gebiet.

Hinter den Gräueltaten wird die islamistische Terrormiliz Boko Haram vermutet. Die sunnitischen Fundamentalisten kämpfen im Nordosten Nigerias und den angrenzenden Gebieten der Nachbarländer Kamerun, dem Tschad und Niger für die Errichtung eines sogenannten Gottesstaats und verüben regelmäßig Anschläge. Seit 2009 tötete die Terrormiliz mindestens 14 000 Menschen.

«Eines muss klar sein: Diese Kinder sind Opfer, nicht Täter», sagte der Unicef-Direktor für West- und Zentralafrika, Manuel Fontaine. Die
Täuschung und tödliche Instrumentalisierung der Kinder sei einer der schlimmsten Auswüchse der Gewalt in Nigeria und den Nachbarländern, sagte Fontaine weiter. 

Jeder fünfte Selbstmordattentäter in der Region war in den vergangenen zwei Jahren nach Angaben von Unicef ein Kind. Der
kalkulierte Einsatz von Minderjährigen habe eine Atmosphäre der Angst und des Argwohns geschaffen. Besonders Mädchen, die der
Gefangenschaft von Boko Haram entfliehen konnten, würden als potentielle Sicherheitsrisiken betrachtet und daher von Gemeinden
ausgeschlossen und diskriminiert.