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"Die Einwanderung, richtig gemanagt, kann auf lange Sicht ein Plus für Europa sein"

In Washington tagen der Internationale Währungsfonds und die Weltbank, drumherum treffen sich die G-20-Finanzminister. Im jüngsten World Economic

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"Die Einwanderung, richtig gemanagt, kann auf lange Sicht ein Plus für Europa sein"

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In Washington tagen der Internationale Währungsfonds und die Weltbank, drumherum treffen sich die G-20-Finanzminister. Im jüngsten World Economic Outlook nimmt der IWF für 2016 und 2017 die globale Wachstumsprognose auf 3,2 bzw. 3,5 Prozent zurück, das sind um 0,2 beziehungsweise 0,1 Prozentpunkte weniger als im Januar. Die weiteren Aussichten: Eher gemischt.

Meinung

Deutschlands Vorangehen ist sehr wichtig gewesen

IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld:

“In vielen Ländern haben das Ausbleiben von Lohnwachstum und zunehmende Ungleichheit ein weitverbreitetes Gefühl erzeugt, dass das Wachstum im Grunde vor allem den wirtschaftlichen Eliten zu Gute kommt.”

Selbst die Vereinigten Staaten, einer der relativ hellen Flecken in der Weltwirtschaft, wurden in der Wachstumsprognose für 2016 von 2,6 auf 2,4 Prozent zurückgestutzt. Laut IWF könnte ein stärkerer Dollar die US-Exporte drücken, während niedrige Ölpreise die Energieinvestitionen am Boden halten.

Wie den USA kommen auch der Eurozone plötzlich 2 Zehntel Wachstumspotenial abhanden, hier geht die IWF-Schätzung von 1,7 auf 1,5 Prozent runter.

Der IWF drängt Europa in seiner aktuellen Konjunkturprognose dazu, Hunderttausende Flüchtlingen zügig in den Arbeitsmarkt zu integrieren, etwa durch Arbeitsgenehmigungen für Asylwerber und Lohnsubventionen für private Firmen, die Flüchtlinge beschäftigen wollen.

Der zweite Risikofaktor sei Griechenlands seit langem schwelendes Schuldenproblem.

Der IWF, einer der Kreditgeber Griechenlands, liegt zur Zeit im überkreuz mit den europäischen Partnern.

Die IWF-Leute meinen, von Athen ab 2018 jahrzehntelang einen Primärüberschuss von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu verlangen – eine Annahme des Programms der Euro-Zone – sei unrealistisch.

su mit Reuters

Stefan Grobe, euronews:

“Wo steht die US-Wirtschaft am Ende der Obama-Jahre und welche Herausforderungen warten auf die nächste Regierung? Wir hören eine Menge im Wahlkampf, dass die Wirtschaft in Ordnung gebracht werden soll, und dass die Lage schlimmer ist als die Beschäftigungszahlen nahelegen. Was meinen Sie?”

David Lipton, Vize-Chef des Internationalen Währungsfonds:

“Wir sehen die Wirtschaft angenehm wachsen. Sie hat etwa 2,4% zugelegt, und wir erwarten, dass das im Jahr 2016 wieder so ist. Wir halten das für eine solide Erholung. Ich meine, wer auch immer als Präsident auf Obama folgt, erbt eine gesunde Wirtschaft, steht aber steht vor einer Menge langfristiger Herausforderungen. Wie im Präsidentschafts-Wahlkampf zu sehen ist, gibt es viel Unzufriedenheit in der US-Bevölkerung. Die Mittelklasse kommt nicht gut weg.”

euronews:

“Einer Herausforderung muss sich die US-Wirtschaft nicht stellen – der Flut der syrischen Flüchtlinge. Das ist eine große Herausforderung für Europa. Sie schüttelt die Arbeitsmärkte durch, testet politische Maßnahmen und das soziale Gefüge der europäischen Gesellschaften. Ist der IWF zufrieden mit der Art und Weise, wie die EU wirtschaftlich mit dieser Krise umgeht?”

David Lipton:

“Ich meine, Deutschlands Vorangehen ist da sehr wichtig gewesen. Es gibt wichtige Fragen wie Grenzkontrollen, Lastenverteilung, die noch endgültig geregelt werdern müssen. Es ist sehr wichtig, dass die Länder aus dem Zustrom das Beste machen. Es gibt einige Länder, in denen die Zuflüsse tatsächlich dazu beitragen, Demografie-Nachteile einer zurückgehenden Arbeitsbevölkerung zu überwinden. Aber das wird nur funktionieren, wenn die Menschen willkommen sind, wenn sie ausgebildet werden, wenn sie beschäftigt werden. Wir haben Studien durchgeführt, die zeigen, dass die Einwanderung, richtig gemanagt, auf lange Sicht ein Plus für Europa sein kann. Und ich hoffe, dass das auch so eintritt.”

euronews:

“Und schließlich zu Griechenland – wir haben in letzter Zeit Meinungsverschiedenheiten zwischen dem IWF und Griechenland, aber auch zwischen dem IWF und der EU beobachtet. Was ist der neueste Stand, kann es eine Lösung ohne Schuldenerlass geben?”

David Lipton, IWF:

“Wir möchten den Griechen helfen, ihre Probleme zu überwinden. Das erfordert, dass sie einige weitere Budget-Anpassungen durchziehen, wofür einige weitere Reformen in Angriff genommen werden müssen. Wir müssen aber auch nachsehen, ob Griechenlands Verpflichtungen gegenüber seinen Gläubigern im Einklang mit den Haushaltszielen stehen. Sobald Sie ein Haushalts-Ziel setzen, steht auch fest, wie viel von den Darlehen jedes Jahr zurückgezahlt werden kann.

Die bestehenden Kreditverträge überfordern selbst die im August ausgehandelten Haushaltspositionen. Im Grunde hat Europa eine politische Vereinbarung mit Griechenland, eine gewisse Haushaltsposition zu erreichen. Aber es hat auch rechtliche Vereinbarungen über höhere Zahlungen als sie in dem Wirtschaftsabkommen genannt sind. Die beiden müssen auf einen Nenner gebracht werden.”