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Ölschwemme: "Der Markt ist auf dem Weg in Richtung Ausgleich"

OPEC- und Nicht-OPEC-Produzenten sind am Sonntag mit dem Versuch gescheitert, per Abkommen die Ölproduktion einzufrieren. Natalia Marshalkovich

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Ölschwemme: "Der Markt ist auf dem Weg in Richtung Ausgleich"

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OPEC- und Nicht-OPEC-Produzenten sind am Sonntag mit dem Versuch gescheitert, per Abkommen die Ölproduktion einzufrieren.

Meinung

Sicher, es war sehr schwer ohne den Iran

Natalia Marshalkovich, euronews:

“Spencer Welch, Leiter von IHS Energy in London, warum konnten die Ölproduzenten keine Vereinbarung erreichen? War ein Kompromiss überhaupt möglich, mit einem abwesenden Iran?”

Spencer Welch, IHS Unternehmensberatung:

“Sicher, es war sehr schwer ohne den Iran. Bis zur letzten Minute war nicht klar, ob der Iran teilnehmen würde oder nicht. Aber ziemlich früh im Vorfeld der Sitzung hat Saudi-Arabien gesagt, man wolle die Produktion nicht einfrieren, wenn sich der Iran nicht beteilige.
 
Und die Iraner sagten, sie würden die Produktion nicht einfrieren , weil sie immer noch versuchen, Marktanteile zurückzugewinnen, nachdem die Atom-Sanktionen aufgehoben wurden.”
 

euronews:

“Wir haben bereits eine erste Reaktion des Marktes gesehen. Wie reagiert der globale Ölmarkt auf mittlere Sicht ?”

Spencer Welch:

“Heute Morgen sind die Preise um rund 2 Dollar pro Barrel gesunken, als Reaktion auf das Doha-Treffen. Eigentlich wären sie noch weiter runtergegangen, aber es gibt ein Produktionsproblem in Kuwait, das lieferte einige positive Unterstützung. Aber trotzdem fielen die Preise um 2 Dollar pro Barrel.

So sind niedrigere Preise nochmal für ein paar Monate zu erwarten, bis in die zweite Jahreshälfte – bis der Markt auf natürliche Weise wieder ins Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage kommt.”

euronews:

“Was ist vom nächsten OPEC-Treffen im Juni erwarten? Könnte dort die Produktion eingefroren oder sogar eingeschränkt werden?”

Spencer Welch:

“Ich meine, das aktuelle Treffen hat uns gezeigt, dass sich nicht viel tun wird, bis der Iran wieder auf einem Produktions-Niveau ist wie vor den Atom- Sanktionen ab 2010. Damals produzierte er 4 Millionen Barrel pro Tag. Also, bis der Iran sich erholt hat auf ein stabiles Produktionsniveau passiert nicht viel.

Da wird einige Zeit hingehen. Ich meine, es ist auch unwahrscheinlich, dass auf dem OPEC-Treffen im Juni irgendetwas passieren wird, denn im Juni wird der Iran noch damit beschäftigt sein, seinen Marktanteil wiederherzustellen. Und das wiederum hàlt Saudi-Arabien von einem Deal ab.

Das dauert eben, bis der Iran wieder auf seinem normalen Produktionsniveau ist, und erst dann ist Luft für irgendeine Art von Deal. Bis dahin ist der Markt wahrscheinlich von selbst wieder zu einem Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage gekommen.”
 

euronews:

“Wann ist das zu erwarten?”
 

Spencer Welch:
 
“Wir meinen, in der 2. Hälfte 2016 oder noch später in diesem Jahr. Im Moment, wie gesagt, gibt es ein Überangebot, aber die Produktion ist rückläufig, besonders in den USA. Da war im vergangenen Jahr ein Höhepunkt erreicht, und seither ging die Produktion um mehr als eine halbe Millon Barrel pro Tag zurück, nach unten getrieben durch den niedrigen Ölpreis .

Die Nachfrage steigt. Das Angebot geht zurück, die Nachfrage steigt und der Markt ist auf dem Weg zurück in Richtung Ausgleich. Wir erwarten, dass sich in der zweiten Hälfte dieses Jahres ein neues Gleichgewicht einstellt.”