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Michel Temer: Einst Rousseffs Mitstreiter, jetzt Rivale

Michel Temer steht als Brasiliens Vizepräsident im Schatten von Dilma Rousseff. Dabei würde sich der 75-Jährige zu gerne selbst im Rampenlicht sehen

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Michel Temer: Einst Rousseffs Mitstreiter, jetzt Rivale

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Michel Temer steht als Brasiliens Vizepräsident im Schatten von Dilma Rousseff. Dabei würde sich der 75-Jährige zu gerne selbst im Rampenlicht sehen. Sollte der Senat einem Amtsenthebungsverfahren gegen Rousseff zustimmen, würde Temer zunächst kommissarisch das Präsidentenamt übernehmen.

Der Sohn libanesischer Einwanderer ist Jurist und ehemaliger Staatsanwalt. Seit 1981 gehört er der PMDB an, der Partei der Demokratischen Bewegung Brasiliens, die bei der Präsidentschaftswahl 2010 mit Rousseffs Arbeiterpartei im Rahmen eines Bündnisses gemeinsame Sache machte. Doch aus Verbündeten sind erbitterte Rivalen geworden.

Bereits seit dem Beginn von Rousseffs zweiter Amtszeit im Januar 2015 positioniert sich Temer als Gegenspieler der Präsidentin. Im März verließ die PMDB, deren Vorsitzender Temer ist, die Regierungskoalition. PMDB-Vize Romero Jucá sagte damals:

“In Folge einer historischen Sitzung entzieht die PMDB von heute an der Regierung von Dilma Rousseff ihre Unterstützung.”

Temers Ambitionen auf das Präsidentenamt zeigen sich auch darin, dass er bereits eine Rede für den Fall, dass er Übergangspräsident wird, aufgenommen hat. Brasilianische Medien bekamen Wind davon. Er habe die Rede unbeabsichtigt anstatt einer bestimmten Person gleich mehreren Parteigenossen zukommen lassen, so Temer. Und plötzlich wusste die Presse davon.

“Ich will vorbereitet sein”, entgegnete er. Er setze auf Dialog, schließlich sei er alleine nicht in der Lage, die Probleme zu lösen, sagte er. “Doch gemeinsam, mit allen Parteien und Gesellschaftsschichten werden wir das Land aus der Krise führen”, kündigte Temer an.

Rousseff schäumte: Für sie war der ehemalige Mitstreiter nun schlichtweg ein “Verräter”. Sie sprach von einem Staatsstreich.

Sollte Rousseff ihres Amtes enthoben werden, wäre Temer bis zur nächsten Wahl 2018 Staatsoberhaupt. Allerdings werden auch gegen den 75-Jährigen Vorwürfe erhoben. Deshalb werde man unverzüglich ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn anstreben, sollte er Präsident werden, hieß es bereits aus Rousseffs Partei.

Weiterer Artikel zu diesem Thema: Rousseff erklärt sich für unschuldig und will um Amt kämpfen“:http://de.euronews.com/2016/04/19/brasilien-rousseff-erklaert-sich-fuer-unschuldig-und-will-um-amt-kaempfen/