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30 Jahre nach Tschernobyl: Der schwere Kampf gegen die Strahlung

Valeri Makarenko war einer der ersten Journalisten, der das Ausmaß der Schäden am Atomkraftwerk von Tschernobyl kurz nach dem GAU am 26. April 1986

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30 Jahre nach Tschernobyl: Der schwere Kampf gegen die Strahlung

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Valeri Makarenko war einer der ersten Journalisten, der das Ausmaß der Schäden am Atomkraftwerk von Tschernobyl kurz nach dem GAU am 26. April 1986 dokumentierte. Dafür nahm er damals wissentlich das Risiko der hohen Strahlenbelastung in Kauf und setzte sich zudem über das Verbot der Behörden hinweg.

“Die sowjetischen Behörden hatten untersagt, dass sich jemand in diesem Gebiet aufhält”, sagt Makarenko heute. “Ich habe mich erdreistet, es dennoch zu tun und habe dank meiner Kontakte per Hubschrauber nach Tschernobyl fliegen können. Ich habe damals ein Interview mit dem Leiter der Regierungskommission geführt und eine erste Reportage über die Zerstörung des Reaktors vorbereitet. Wir haben die Nachrichtensperre durchbrochen, danach konnten sie die Meldungen nicht mehr aufhalten.”

30 Jahre nach der Katastrophe ist Makarenko wieder in Tschernobyl – ausgerüstet mit einem Strahlenmessgerät: “Ich überprüfe jetzt die radioaktive Strahlung – im Vergleich zu 1986 ist die lächerlich”, sagt er. “Sie ist jetzt nur fünf Mal höher als in der Innenstadt von Kiew. Es ist das Ergebnis des großen Arbeitseinsatzes, der viele Leben gekostet hat, dass das Gebiet jetzt hier so sauber ist”, so Makarenko.

Fotos von Oleg Veklenko: Sie zeigen Arbeiter, die kurz nach der Katastrophe in Tschernobyl eingesetzt wurden. Chernobyl pictures by a liquidator

Die schwer belastete Umgebung wurde nach dem Unfall notdürftig gereinigt und der Reaktor mit einer Hülle aus Stahl und Beton ummantelt, darunter lagern viele der Brennstäbe. 30 Jahre danach erhält die Ruine eine neue Hülle – einen mehr als 30.000 Tonnen schweren Metallbogen, der nach seiner Fertigstellung auf Gleisen über die bisherige Schutzschicht geschoben werden soll.

“Wir befinden uns in der letzten Bauphase, danach beginnen wir mit der Umsetzung. Die Aufgabe in diesem Jahr ist, die Schutzhülle über den Reaktor zu manövrieren, am 30. November sollen die Arbeiten abgeschlossen sein”, sagt Viktor Zalezetsky vom zuständigen Bauunternehmen.

Seit mehr als vier Jahren befindet sich die Konstruktion im Bau. Um die Strahlenbelastung für die Arbeiter zu verringern, wurde das verseuchte Erdreich ausgehoben und fortgeschafft. Stattdessen karrte man aus der ganzen Ukraine Sand heran und schüttete ihn nahe des Unglücksreaktors auf.

Die Bemühungen, für Schutz zu sorgen und das Austreten radioaktiver Strahlung zu reduzieren, kosten Milliarden. Unter anderem soll verhindert werden, dass verseuchte Flüssigkeiten ins Grundwasser gelangen. “Diese Konstruktion ist mit Metallbehältern ausgestattet und ermöglicht es, radioaktive Flüssigkeiten sicher zu lagern”, erläutert Ingenieur Andrej Savin.

Gelöst ist das Problem des verseuchten Wassers damit nicht, sondern im Bestfall nur verstaut. Auch der mit radioaktiven Materialien vermischte Sand bleibt ein riesiges Problem. Es wird geschätzt, dass mehr als 5.000 Tonnen noch entsorgt werden müssen.

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