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Tschernobyl 30 Jahre danach: "Eigentlich sind hier nur noch gesunde Arbeiter"

Die Katastrophe von Tschernobyl war der bisher schwerste Unfall in einem Atomkraftwerk und sie jährt sich an diesem Dienstag zum 30. Mal. Am 26

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Tschernobyl 30 Jahre danach: "Eigentlich sind hier nur noch gesunde Arbeiter"

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Die Katastrophe von Tschernobyl war der bisher schwerste Unfall in einem Atomkraftwerk und sie jährt sich an diesem Dienstag zum 30. Mal. Am 26. April 1986 geriet ein Versuch in dem ukrainischen Kraftwerk außer Kontrolle, sodass der Reaktorkern zerstört und das Kraftwerksgebäude schwer beschädigt wurde. Durch Explosionen wurde eine extrem große Menge Radioaktivität freigesetzt.

Meinung

Krankheiten gezielt verbergen

Die Nuklearmedizinerin Galina Liatuheva arbeitet seit der Katastrophe bis heute in Tschernobyl. Sie erklärte, unmittelbar nach der Katastrophe seien rund 19.000 Arbeiter behandelt worden. Heute kümmere sie sich um 3.000 Beschäftigte:

“Im Prinzip haben alle Erkrankten die Sperrzone verlassen. Einige sind im Ruhestand, andere haben Krankheiten entwickelt. Eigentlich sind hier nur noch gesunde Arbeiter. Es kommt aber vor, dass sie Krankheiten gezielt verbergen.”

134 der Arbeiter wurden damals so stark verstrahlt, dass sie an akuter Strahlenkrankheit litten. 28 von ihnen starben innerhalb von Tagen und Wochen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass insgesamt rund 2.200 Arbeiter vorzeitig an Strahlenschäden sterben werden.

Vladimir Grindiaev arbeitet als Ingenieur in Tschernobyl:

“Ich glaube nicht, dass die Radioaktivität meine Gesundheit stark beeinflusst hat. Klar, es gibt einige Schwierigkeiten. Aber die Frage von Behinderungen stellt sich erst gar nicht.”

Jeder Arbeiter in Tschernobyl wird einmal pro Jahr medizinisch untersucht. Zudem verfügen alle Beschäftigten über Dosimeter, also persönliche Strahlenmessgeräte. Diese werden monatlichen Prüfungen unterzogen. Übersteigt die aufgenommene Radioaktivität die zulässigen Werte, wird der Vertrag des Arbeiters nicht verlängert.

Laut der Baufirma “Novarka” arbeiten die Beschäftigten maximal 15 Tage pro Monat in Tschernobyl.

Wenige Kilometer entfernt hat sich Prypjat zu einer überwucherten Geisterstadt entwickelt.

euronews-Korrsepondent Dmytro Polonsky kommentierte in Prypjat:

“Zum 30. Jahrestag der Katastrophe ist die Frage der Ionisierung der Radioaktivität für die Bewohner von Prypjat drittrangig geworden. Sie sorgen sich um marode Hochhäuser und Horden von wildlebenden Tieren.”