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Die Wirtschaft im Euroraum stark wie vor der Finanzkrise

Die Wirtschaft im Euroraum ist überraschend robust, mit einer Wirtschaftskraft (BIP) wie vor der Finanzkrise. Das Bruttoinlandsprodukt stieg laut

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Die Wirtschaft im Euroraum stark wie vor der Finanzkrise

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Die Wirtschaft im Euroraum ist überraschend robust, mit einer Wirtschaftskraft (BIP) wie vor der Finanzkrise.

Meinung

Vor Jubelstürmen sei gewarnt

Das Bruttoinlandsprodukt stieg laut europäischem Statistikamt Eurostat Eurostat in den ersten drei Monaten des Jahres im Vergleich zum Zeitraum davor um 0,6 Prozent, doppelt so stark wie im Schlussquartal 2015. Volkswirte hatten mit plus 0,4 Prozent gerechnet.

Aber: «Vor Jubelstürmen sei gewarnt», sagte Christoph Weil
von der Commerzbank. Die guten Zahlen seien unter anderem auf den einmaligen Effekt des milden Winters zurückzuführen.

Vor allem im Bausektor wirkt sich ein mildes Wetter positiv aus. Zudem könnten mit einem Ende der niedrigen Ölpreise und der Euroschwäche künftig zwei wichtige Faktoren wegfallen, die bislang die Wirtschaft im Euroraum gestützt haben, so ein Experte vom Londoner Forschungsunternehmen Capital Economics.

SPANIEN

Die spanische Wirtschaft hat ihr kräftiges Wachstum zu Jahresbeginn gehalten. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Januar bis März wieder um 0,8 Prozent zum Vorquartal zu, so Spaniens Statistikamt.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einer leichten Abschwächung auf 0,7 Prozent gerechnet.

Im Vergleich zum ersten Quartal 2015 wuchs die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone um 3,4 Prozent.

Das Land hat eine schwere Rezession wegen der Finanz- und Schuldenkrise hinter sich gelassen und kommt auf eine der höchsten Wachstumsraten in der Euro-Zone. Der künftige Kurs der Wirtschaftspolitik ist unklar, weil nach der Wahl im Dezember noch immer keine Regierung gebildet werden konnte und voraussichtlich Ende Juni Neuwahlen anstehen. Der amtierende Wirtschaftsminister Luis de Guindos senkte die Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 3,0 auf 2,7 Prozent.

FRANKREICH

Auch die französische Wirtschaft wächst kräftiger, dank kauffreudiger Verbraucher.

Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März um 0,5 Prozent zum Vorquartal, so Frankreichs Statistikamt.

Damit wurden die Prognose der Ökonomen von 0,4 Prozent und das Ergebnis des Schlussquartals 2015 von 0,3 Prozent übertroffen.

Die Haushalte gaben 1,2 Prozent mehr aus, ein deutlicher Zuwachs wie seit 2004 nicht. Auch investierten die Unternehmen mehr. Das machte die schwächeren Exporte mehr als wett.

Die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone schwächelt seit Jahren und leidet unter hoher Arbeitslosigkeit. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte der französischen Notenbank zufolge in diesem Jahr um etwa 1,2 Prozent wachsen. Experten halten mindestens 1,5 Prozent für erforderlich, um die Arbeitslosigkeit zu drücken.

ARBEITSMARKT

Die Konjunkturerholung drückt die Arbeitslosigkeit im Euro-Raum auf den niedrigsten Wert seit fast fünf Jahren.

Im März hatten rund 16,4 Millionen Frauen und Männer keinen Job – 226.000 weniger als im Februar und fast 1,5 Millionen weniger als ein Jahr zuvor. Die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenquote ging binnen eines Monats von 10,4 auf 10,2 Prozent zurück, so die Statistikbehörde Eurostat. “Das ist der niedrigste Wert in der Euro-Zone seit August 2011”, so die Statistiker.

Das Gefälle innerhalb der Währungsunion geht allerdings von Deutschland (4,2 Prozent), über Spanien (20,4 Prozent) bis fast zur fünffachen Quote in Griechenland (24,4 Prozent im Januar).

PREISE

Die Verbraucherpreise waren im April laut Eurostat im Jahresvergleich um 0,2 Prozent niedriger als vor Jahresfrist, nachdem sie im März noch stagniert hatten.

Nach wie vor wird die Inflation durch günstige
Energiepreise stark gebremst. Allerdings ging auch die Kernrate der Inflation zurück, ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie, Nahrungs- und Genussmittel.

Die EZB-Währungshüter lesen aus den Daten gegenläufige Signale. Einerseits entwickelt sich die Wirtschaft robust. Andererseits streben die Notenbanker eine Inflation von knapp zwei Prozent an, für sie “Preisstabilität”. Zuletzt hatte die EZB im März die Geldschleusen weiter geöffnet.

Weitere Zinssenkungen hält EZB-Chefvolkswirt Peter Praet derzeit nicht für angebracht. «Die Negativzinsen können nicht unbegrenzt weiter gesenkt werden», sagte Praet (der spanischen Zeitung «Expansion»).

su mit dpa, Reuters