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Russland in Syrien: nach dem Abzug ist vor dem Abzug

Auf Russlands Luftwaffenstützpunkt Hmeymim in Syrien bereiten russische Soldaten die Feierlichkeiten für den Jahrestag zum Ende des 2. Weltkriegs

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Russland in Syrien: nach dem Abzug ist vor dem Abzug

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Auf Russlands Luftwaffenstützpunkt Hmeymim in Syrien bereiten russische Soldaten die Feierlichkeiten für den Jahrestag zum Ende des 2. Weltkriegs vor. Auch das euronews-Team ist auf Einladung des russischen Verteidigungsministeriums vor Ort, welches seine Sicht des Syrienkonflikts darstellen will.

Rund ein halbes Jahr lang flogen russische Soldaten Luftangriffe in Syrien, wodurch die syrische Armee gestärkt wurde. Seit Februar gilt eine brüchige Waffenruhe, die vom Flugstützpunkt Hmeymim aus beobachtet wird.
Der Sprecher der Verteidigungsministeriums Igor Konashenkov erklärt, “wir sind einer Meinung, dass man mindestens für kurze Zeit eine Feuerpause braucht, damit der Versöhnungsprozess wiederbelebt werden kann. Derzeit wird diese jedoch vereinzelt gebrochen. Die Terroristengruppe al-Nusra ist sehr aktiv in dieser Region.”

Es gibt ein sogenanntes “Versöhnungs-Zentrum”, das mit dem US-amerikanischen Militär zusammenarbeitet.
Es verzeichnet Brüche der Waffenruhe, die in letzter Zeit etwas zurückgingen. Leiter des Zentrums Sergey Kuralenko erklärt die Arbeitsweise: “Die Angestellten hier arbeiten in direkter Verbindung mit den kriegsführenden Parteien. Sie führen Beobachtungen durch und sammeln Informationen von Regierungstruppen und Zivilisten. Hier im Zentrum überprüfen sie die sozialen Netzwerke und andere Medien. Wir tauschen Informationen mit den USA aus und erhalten Daten aus Moskau, die wir verarbeiten. Damit haben wir den Überblick über das, was in Syrien passiert.”

Derzeit wird die Feuerpause in Aleppo offenbar weitestgehend eingehalten. Zuvor hatten sich Regierungstruppen und Rebellen in der Stadt heftige Gefechte geliefert: 240 Zivilisten wurden in den vergangenen zehn Tagen getötet. Doch die seit zwei Tagen geltende Waffenruhe hängt am seidenen Faden: Während Präsident Baschar al-Assad bereits ankündigte, Aleppo vollständig zurückerobern zu wollen, macht die Regierung die al-Nusra Front für die instabile Lage verantwortlich. General Hussam Maalla beschuldigt die al-Nusra Front, weder Frieden noch Sicherheit zu wollen, “nicht in Aleppo, nicht in unserem Land. Sie agiert von der türkisch-syrischen Grenze aus. Ankara steckt hinter dem Konflikt, der Türkei ist nicht an einem Frieden in Syrien gelegen. Sie unterstützt die al-Nusra Front und andere Terroristen wie die IS-Dschihadisten. Sie verschafft ihnen Waffen und öffnet ihnen die Grenzen. Ebenso wenig will Saudi-Arabien ein Ende des syischen Krieges. Wir und das syrische Volk hingegen wollen Frieden.”

Seit der Feuerpause seien die Einsätze auf dem Luftwaffenstützpunkt um ein Zehnfaches zurückgegangen, meint ein russischer Kommandant. Nichtsdestotrotz ist der russische Abzug aus Syrien nicht vollendet. Nur 30 Kriegsflugzeuge und Hubschrauber wurden bisher nach Russland zurückgebracht. Keine Angaben jedoch vom russischen Militär, wie viele Flieger noch in Syrien sind.