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Sprache, Arbeit, kulturelle Eingliederung: Der Schlüssel zur Integration von Flüchtlingen

*Was tut not für eine bessere Integration der Flüchtlinge in Europa? Insiders sprach mit Eugenio Ambrosi, dem Chef des Europa-Regionalbüros der

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Sprache, Arbeit, kulturelle Eingliederung: Der Schlüssel zur Integration von Flüchtlingen

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*Was tut not für eine bessere Integration der Flüchtlinge in Europa? Insiders sprach mit Eugenio Ambrosi, dem Chef des Europa-Regionalbüros der Internationalen Organisation für Migration in Brüssel.*

Meinung

Hilfe bei der Eingliederung ist nicht nur eine humanitäre Geste den Flüchtlingen gegenüber, sondern liegt auch im Interesse der aufnehmenden Länder. Denn besser integrierte Flüchtlinge und Asylbewerber sind besser Teil unserer Gesellschaft und stärken dadurch auch unser eigenes Sozialsystem.

Sophie Claudet, euronews:
“Was sollte Ihrer Erfahrung nach das Minimum sein, um Menschen zu integrieren – neben Hilfe beim Lernen der Sprache und bei der Jobsuche. Ist noch Anderes nötig?”

Eugenio Ambrosi:
“Empfang, begleitet von Sprachtraining, kultureller Orientierung und Hilfe bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt – das sind in meinen Augen die wichtigsten Maßnahmen, die alle Staaten ergreifen sollten, um die Integration der Flüchtlinge zu erleichtern. Und wir sollten auch bedenken, dass die Hilfe bei der Eingliederung nicht nur eine humanitäre Geste den Flüchtlingen gegenüber ist, sondern auch im Interesse der aufnehmenden Länder liegt. Denn besser integrierte Flüchtlinge und Asylbewerber sind besser Teil unserer Gesellschaft und stärken dadurch auch unser eigenes Sozialsystem.”

euronews:
“Was ist mit psychologischer Unterstützung?”

Eugenio Ambrosi:
“Ich würde sagen, 100 Prozent der Menschen, die in Europa ankommen, haben sehr schlimme, belastende und traumatische Situationen durchlebt. Hinzu kommt, das es unter den Menschen, die in Europa landen, eine Kategorie mit besonders hoher Verwundbarkeit gibt: 25 Prozent derjenigen, die in den vergangenen zwei Jahren hierher kamen, sind unbegleitete Minderjährige. Kinder in unterschiedlichem Alter, einige noch sehr klein, die diese Reise allein gemacht haben und die hier nun allein in Europa sind, getrennt von all ihren Angehörigen. Es gibt Frauen, die allein gekommen sind, alte oder kranke Menschen – man hat es also mit verschiedenen Arten von Verwundbarkeit zu tun, die zum Stress dieser Situation hinzukommen. Psychosoziale Unterstützung ist ein Schlüsselelement, wenn wir die Würde dieser Menschen wieder herstellen wollen, die in Europa ankommen.”

euronews:
“Tut Europa Ihrer Ansicht nach genug?”

Eugenio Ambrosi:
“Aus demographischer Sicht hat Europa Bedarf, ihre Aufnahme auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern und zu erhöhen. Es geht also nicht nur um Hilfe für Flüchtlinge und Migranten. Es ist auch eine Frage in unserem eigenen, europäischen Interesse, in Hinsicht auf eine bessere Steuerung der generellen Mobilität. Und nicht zuletzt gibt es etliche Regionen in der Welt, die sehr viel mehr leisten bei der Aufnahme von Flüchtlingen, nicht nur Nachbarländer von Krisenstaaten wie Syrien, sondern auch Kanada oder die Vereinigten Staaten, die große jährliche Ansiedlungsprogramme haben.”