Eilmeldung

Eilmeldung

Rettungswesten als Handtaschen

Es ist ein innovatives Projekt: Zwei junge Griechen geben Rettungswesten ein zweites Leben. Jai Mexis und Irene Psifidi arbeiteten in Großbritannien

Sie lesen gerade:

Rettungswesten als Handtaschen

Schriftgrösse Aa Aa

Es ist ein innovatives Projekt: Zwei junge Griechen geben Rettungswesten ein zweites Leben. Jai Mexis und Irene Psifidi arbeiteten in Großbritannien und verfolgten mit Sorge die Flüchtlingskrise. Sie wollten helfen und entschlossen sich dazu, in ihre Heimat Griechenland zurückzukehren und den Verein Odyssea zu gründen. Sie sammelten über 10.000 Rettungswesten, die an Stränden zurückgelassen worden waren und verwandelten diese in Gebrauchsgegenstände.

Gründer Jai Mexis erklärt: “Es begann alles ganz spontan, während eines Besuches auf Lesbos. Ich suchte nach einer Lösung für dieses Umweltproblem. Es war mehr ein Experiment und ein Versuch zu zeigen, dass junge Griechen in ihre Heimat zurückkehren und etwas Neues kreieren können – sogar aus Müll.”

Die Insel Lesbos gehört zu den Hauptzielen für Flüchtlinge. In den vergangenen Monaten sammelten sich Tausende von zurückgelassenen Rettungswesten an den Ufern der Insel. Die meisten von ihnen sind jedoch keine echten Rettungswesten, aber in der Türkei blättern Flüchtlinge für solch eine Weste bis zu 200 Euro hin.

Jai Mexis half als Freiwilliger bei der Essensausteilung, als ihm die Idee kam,
Notunterkünfte aus den Boot-Überbleibseln zu bauen. Heute veranstaltet der Verein Workshops für Freiwillige und Flüchtlinge, in denen sie aus den Rettungswesten Taschen, Accessoires und sogar Matratzen herstellen. Koordinatorin Irene Psifidi erzählt: “Am Anfang sagen die Flüchtlinge nichts. Sie haben Angst und wissen nicht, was mit ihnen passieren wird. Natürlich kennen sie die Rettungswesten. Sie haben diese ja bei ihrer Überfahrt aus der Türkei benutzt. In gewissem Maße hilft es ihnen auch, über diese schrecklichen Erlebnisse hinwegzukommen.”

Roheen Muradi aus Afghanistan verlor seine Mutter bei der Überfahrt von der Türkei nach Lesbos. 14 Flüchtlinge waren an Bord, nur drei von ihnen überlebten. Alle anderen ertranken, darunter auch die Mutter des 22-Jährigen. “Wenn ich eine Rettungsweste sehe, dann werde ich traurig und muss weinen”, erzählt er sichtlich bewegt. “Ich sehe in diesen Rettungswesten meine Mutter. Als die griechische Küstenwache uns rettete, sagte man mir, dass sie meine Mutter nicht finden konnten. Ihr Körper konnte im Meer nicht geborgen werden.”

Die in den Workshops gefertigten Produkte werden anschließend verkauft, mit dem Ziel Flüchtlinge als auch die Einheimischen zu unterstützen. Die Taschen und Geldbeutel kosten zwischen 25 und 100 Euro. Ab Juni soll es auch einen Online-Shop geben.

Euronews-Korrespondent Apostolos Staikos hat den Workshop besucht: “Ziel des Vereins ist es, auf Lesbos eine kleine Fabrik zu gründen. Die Angestellten sollen sich zur Hälfte aus Einheimischen und zur anderen Hälfte aus Flüchtlingen zusammensetzen. Doch dafür müssen die Flüchtlinge zunächst eine Arbeitserlaubnis in Griechenland erhalten.”