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Gnawa-Musik:"Da gibt es keine Geheimnisse. Das ist glasklar wie Jazz!"

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Gnawa-Musik:"Da gibt es keine Geheimnisse. Das ist glasklar wie Jazz!"

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Die Vielfalt der Gnawa-Kultur, ihre Rhythmen und Melodien, feiert das alljährliche Musikfestival im marokkanischen Essaouira. euronews-Reporter Wolfgang Spindler war vor Ort und tanzte bei der traditionellen Eröffnungsparade mit.

Wolfgang Spindler “Willkommen in Essaouira, wie jedes Jahr eröffnete die traditionelle Parade der Gnawa-Musiker das Festival. Die besten Musiker aus der Gnawa-Tradition treffen hier auf internationale Musiker, um gemeinsam Musik zu machen.”

Die jahrhundertealte spirituelle Musikrichtung stammt aus der Sahelregion in West- und Zentralafrika und gilt als der wahre Ursprung von Blues, Jazz und sogar Rock ‘n’ Roll. Ziel des Festivals ist die Fusion der Stile, wenn internationale Musikstars mit den Meistern der Gnawa-Musik (Maâlem genannt) spielen.

Jeff Ballard Trio und Mohamed Kouyou

US-Schlagzeuger Jeff Ballard hat bereits mit Musikgrößen wie Ray Charles, Pat Metheny und Chick Corea gejazzt. In Essaouira ließ er und sein Trio sich von den mystische Gnawa-Rhythmen Inspirieren. Maâhlem Mohamed Kouyou zeigte den Jazzern, wie es funktioniert.

Mohamed Kouyou: “Gnawa-Musik ist heute zum Glück allgemein bekannt. Da gibt es keine Geheimnisse. Das ist glasklar, wie Jazz!”
Jeff Ballard: “Ich habe die Gnawa-Musik vor etwas 15 Jahren entdeckt. Und das ging gleich ins Blut, wie etwas, das ich schon lange kannte, ohne es jemals gehört zu haben. Das war ganz natürlich für mich.”

Das Jeff Ballard Trio ist selbst ein multikultureller Melting Pot. An der Gitarre steht Lionel Loueke aud Benin, der Saxophonist Miguel Zenón stammt aus Puerto Rico.

Mohamed Kouyou wurde von seiner Mutter in die Gnawa-Musik eingeführt – und führt die Tradition mit seinem eigenen Sohn, den er bei seinen Auftritten auf Bühne holt, weiter.

Songhoy Blues und Abdeslam Alikane

Die Band Songhoy Blues aus Mali spielte in Essaouira mit Maâhlem Abdeslam Alikane, der außerdem künstlerischer Leiter des Festivals ist.
Die vier jungen Musiker aus Bamako beschlossen Musik zumachen, um gegen die Terrorherrschaft islamistischer Gruppen im Norden Malis zu protestieren. Ihre musikalische Inspiration: die Beatles, Jimi Hendrix und John Lee Hooker, vor allem aber Hip Hop und R&B.
Abdeslam Alikane hat eine starke Verbindung zu Mali, er spielte unter anderem mit Ali Farka Touré.

Wolfgang Spindler: “Sie haben sich gleich gut verstanden?”
Alios Touré, Songhoy Blues: “Ja, ganz selbstverständlich. Es ist dieselbe Kultur, dieselbe Energie, dieselbe Wüste.”
Wolfgang Spindler: “Und auch derselbe Tanz?”
Alios Touré: “Genau derselbe!”
Frage an Abdeslam Alikane: “Und, hat er Talent?”
Abdeslam Alikane: “Wer? Das sieht man doch. Ich habe eine Weile nicht mit Musikern aus Mali gespielt. Und jetzt sind alle Musiker aus Mali bei uns!”

Wir berichteten bereits über Songhoy Blues:

Auch im 19. Festivaljahr: Fusion, statt Showbizz!

Das Festival erwies außerdem dem 2015 verstorbenen senegalesischen Trommler und Komponisten Doudou N’Diaye Rose die Ehre. Er spielte unter anderem mit Mitgliedern der Familie des größten marrkkanischen Maâhlem Mahmoud Guinea, der ebenfalls 2015 verstarb.

Neila Tazi Abdi, Gründerin und Direktorin des Festivals sagt: “Es geht uns hier nicht ums Showgeschäft, wir sind ein Festival, das die Musik feiert. Es ist ein Versuchslabor für musikalische und künstlerische Fusionen mit Künstlern unterschiedlichster Herkunft. Mit all den Musikern, die in den vergangenen 19 Jahren in Essaouira waren, verfügen wir über ein Heer von Botschaftern in der Welt , die ihre herausragenden Erinnerungen mit anderen teilen. Das ist die beste Form der künstlerischen Bestätigung für unser Projekt.”

Wolfgang Spindler: “Die Musik wäre einst fast in Vergessenheit geraten, doch dank dieses Festivals hat sie sich in der internationalen Musikszene als Musikgenre fest etablieren können”.

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