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Investoren gesucht: Senegal setzt auf Landwirtschaft als Wachstumsmotor

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Investoren gesucht: Senegal setzt auf Landwirtschaft als Wachstumsmotor

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Veraltete, ineffiziente Landwirtschaft, Flucht der Landbevölkerung in die Städte – das soll Vergangenheit gewesen sein. Senegal will seinen Agrarsektor aufpeppen und damit einen neuen Wachstumsmotor schaffen. Das westafrikanische Land hofft, die Eigenversorgung mit Reis zu erreichen und die Exporte anzukurbeln.

Im Senegal sagt man: Wenn es der Landwirtschaft gut geht, geht es allen gut. In den vergangenen zwei Jahren hat das Land Produktionsrekorde verzeichnet – doch die Ausgangsbasis ist niedrig, der Agrarsektor nicht sehr produktiv: Während die Mehrheit der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeit, erwirtschaftet diese nicht einmal 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Enorme Lücke zwischen Reisnachfrage und heimischer Anbaumenge

Noch muss Reis importiert werden. Zwei Drittel der heimischen Produktion werden entlang des Senegal-Flusses angebaut – in vielen anderen Regionen ist es zu trocken. Die Compagnie Agricole de Saint-Louis baut hier mit umgerechnet über fünfzig Millionen Euro Investition eine High-Tech-Reisfarm auf, die in drei Jahren 100.000 Tonnen jährlich produzieren soll. Während Umweltschützer sich um den Düngemitteleinsatz sorgen, frohlockt Manager Bruno Redon: “Wir haben hier alle Elemente vereint: Die Böden, die Nähe zum Senegal-Fluss – das erlaubt uns gute Bewässerung, und die ist sehr wichtig. Das Klima ermöglicht uns zwei Ernten pro Jahr, mit durchschnittlichen Erträgen von sechs Tonnen pro Hektar, ein ziemlich guter Standard.”

Er lässt gerade neue Reisfelder anlegen und Wassergräben für die ansässigen Bauern, die ebenfalls die künftige Fabrik beliefern sollen. Denn die Compagnie selbst baut nur einen Teil des Reises an. “Wir werden den Bauern Produktionsverträge anbieten zwischen ihnen, unserem Unternehmen und einer Bank. Heute haben sie eine Ernte pro Jahr. Wenn wir ihnen ihre Ernte abkaufen, können sie von der Bank einen Kredit bekommen und zwei Ernten pro Jahr erzielen”, kalkuliert Redons Kollege Francois Grandry.

Die Produktion ist und bleibt einzig und allein für den heimischem Markt bestimmt. Reis ist das Hauptnahrungsmittel der Senegalesen, und mit der wachsenden Bevölkerung steigt auch die Nachfrage weiter. Gandry sieht gute Chancen: “Der Senegal importiert 1.150.000 Tonnen Reis im Jahr – während er nur 350.000 produziert. Da klafft eine enorme Lücke!”

Ebenfalls im Senegal-Tal findet man eine riesige Tomatenzucht. Vor dreizehn Jahren beschloss die Nummer eins der senegalesischen Obst- und Gemüseproduktion, die Grands Domaines du Sénégal, hier Cherry-Tomaten anzubauen. Umgerechnet gut 25 Millionen Euro wurden investiert. Anders als der Reis sind die Tomaten fast ausschließlich für den Export bestimmt. Die Nähe zu Europa ist für Obst- und Gemüsetransporte ein Vorteil. Und auch von staatlicher Seite gibt es Vorteile, erläutert der Personalchef Adbou Sambe: “Die Zollpflichten sind aufgehoben, ebenso bestimmte Steuern – die müssen wir nicht zahlen. Damit unsere Preise konkurrenzfähig sein können, damit wir exportieren und auf dem europäischen Markt neben anderen Anbietern bestehen können – ganz einfach.”

Landwirtschaft als Motor für andere Branchen

Er verweist stolz darauf, dass das Unternehmen einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region geworden sei: “2.500 Arbeiter, dann noch der zusätzliche Nutzen für die örtliche Wirtschaft: Transport, den wir voranbringen, Gastronomie, Wohnen – vieles Andere, das wir in der regionalen Wirtschaft in Schwung gebracht haben.”

Dank der Exportfirma hat man auch am Hafen von Dakar mehr zu tun. Eine Anschubhilfe für andere Sektoren, bekräftigt Pierre Ndiaye, Generaldirektor für Wirtschaftsplanung und -politik im Wirtschaftsministerium: “Die Entwicklung des Agrarsektors wirkt sich positiv auf viele andere Bereiche aus wie Handel, Verkehr, Industrie. Deshab ist der Agrarsektor ein Schlüsselsektor und ein echter Hebel für den Aufschwung der senegalesischen Wirtschaft.”

Ohne ausländische Investoren geht es aber nicht

Und für diese will Senegal das Geschäftsklima verbessern. Mängel bei Stromversorgung und Infrastruktur sowie starke Regulierung schreckten viele ausländische Investoren bisher ab. Die Hürden sollen nun abgebaut werden. Mountaga Sy von der für Investoren zuständigen Agentur APIX wirbt: “Nicht nur, dass Sie im Senegal in weniger als sechs Stunden Ihr Unternehmen gründen können – auch die Verwaltungsgebühren sind um zwei Drittel gesenkt worden.” Speziell für die Landwirtschaft seien zusätzliche Maßnahmen ergriffen worden: “Die Fristen für das Anschließen der Lager wurden um mehr als die Hälfte verringert, vor allem bei der Wasserversorgung. Wir sind von 90 auf unter 40 Tage gekommen.” Die Regierung will auch Kreditaufnahme und Bodenerwerb erleichtern.

Senegal, das immer noch zu den ärmsten und am schlechtesten entwickelten Ländern gehört, hat viel aufzuholen. Αdbou Sambe vom Tomatenexport-Unternehmen bricht eine Lanze für mehr Engagement: “Wenn wir von Entwicklung sprechen, geht es zuerst um die Entwicklung des Humankapitals – der Männer und Frauen, die arbeiten, die Geld verdienen, und das Geld dann zur Verbesserung ihrer Lebensqualität ausgeben. Das macht es interessant, sich im Senegal anzusiedeln, Landwirtschaft zu betreiben, damit Geld zu verdienen, aber auch der Bevölkerung zu helfen, ihren Lebensstandard zu verbessern.”

Bei einigen ist die Botschaft angekommen, im vergangenen Jahr stiegen die ausländischen Direktinvestionen um fast 20 Prozent. Senegal hofft auf mehr.

Weitere Informationen:
http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=senegals-wirtschaft-auf-wachstumskurs,did=1274158.html

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