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EgyptAir Flug MS 804 - Ägypter fürchten nun noch mehr Leere rund um die Pyramiden

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EgyptAir Flug MS 804 - Ägypter fürchten nun noch mehr Leere rund um die Pyramiden

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Gerade wollten Russland und Ägypten den Flugverkehr wieder aufnehmen, rund sieben Monate nach dem vermutlichen Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf ein russisches Passagierflugzeug über der Sinai-Halbinsel mit 224 Opfern. Jetzt fühlen sich Frankreich und Ägypten wieder getroffen – von Terror.

Einige Passagiere Paris-Kairo ließen sich nicht abschrecken:

Salama Kordeya, Geschäftsreisender (66):

“Ich meine, wir müssen zurück in unser Land, unter allen Umständen. Wenn wir nicht heute reisen, dann nächste Woche oder nächsten Monat. Aber letzten Endes reisen wir zurück.”

Jean-Luc Leborgne (66), als Tourist häufig in Ägypten:

“Wir waren durcheinander. Wie Sie wissen, sind die Hotels in Sharm El-Sheikh bereits zu 80 Prozent geschlossen. Das Leben ist auf nahe Null reduziert. Wir haben uns aber heute morgen noch entscheiden zu fliegen, trotz der Ereignisse.”

Ägyptens kriselnde Wirtschaft ist von Leuten wie ihm abhängig. Der Tourismus macht elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, mindestens. Fast 2,9 Millionen Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt vom Tourismus ab – etwa jeder neunte Job. Und die Gäste bleiben seit Jahren weg, 2013 kamen 9,2 Millionen. 2010 – vor arabischen Aufständen und politische Instabilität – waren es noch mehr als 14 Millionen gewesen. Im ersten Quartal dieses Jahres fiel ihre Zahl nochmal fast auf die Hälfte des Vorjahres – 1,2 nach 2,2 Millionen in Jahr 2015, so ein Berater des Tourismusministeriums, Adla Ragab. Sie brachten nur noch ein Drittel der Summe des Vorjahres mit (0,4 nach 1,3 Milliarden Euro).

Jetzt also neue Fragezeichen, auch über dem Russland-Geschäft. Russlands Präsident Wladimir Putin habe in einem Telefonat mit seinem ägyptischen Kollegen Abdel Fattah al-Sisi bessere Sicherheitsmaßnahmen in Ägypten zur Voraussetzung gemacht, so der Kreml. Erst dann sollen
russische Flugzeuge wieder das beliebte Urlaubsland ansteuern. Die Regierung in Kairo hatte britische Experten beauftragt, vor allem die Flughäfen in Kairo und in Scharm el Scheich zu prüfen.

Vor dem Unglücksflug MS804 Paris-Kairo hatte der A320-Jet von EgyptAir nach Branchenbeobachtern (Flightradar24) eine Nordafrika-Rundreise hinter sich. Am 18. Mai in Asmara im Süden Ägyptens zunächst nach Kairo gestartet, war die Maschine dann nach Tunis geflogen. Vor dort aus ging es zurück in die ägyptische Hauptstadt, bevor das Flugzeug nach Paris abhob. Dort blieb es rund eine Stunde und 15 Minuten am Flughafen Roissy – Charles de Gaulle, bevor es zum Unglücksflug abhob.

Ägypten leidet nicht allein unter dem Trend zu mehr Sicherheit. Auch in der Türkei ging die Zahl der Flugbuchungen in die Türkei laut Branchenexperten (Fachportal Aero Telegraph) in den ersten drei Monaten des Jahres 2016 um 35 Prozent zurück.

Beim Türkei-Spezialisten Thomas Cook, Europas zweitgrößtem Reiseveranstalter, konnten Buchungszuwächse für Spanien und die USA die Rückgänge im Türkei-Geschäft nicht auffangen. Die Sommer-Flug-Buchungen schrumpften insgesamt um 5 Prozent. Die Aktie fiel um 19 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief.

Sigrid Ulrich mit dpa, Reuters

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