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Katastrophenhilfe nach dem Erdbeben: Bericht aus Ecuador

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Katastrophenhilfe nach dem Erdbeben: Bericht aus Ecuador

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Beim Erdbeben der Stärke 7,8 in Ecuador Mitte April kamen fast 700 Menschen ums Leben. Heute leben rund 30.000 Menschen in Notunterkünften, fast zwei Millionen sind von der Katastrophe betroffen. Oft kann ein Land die Folgen solch einer Naturkatastrophe nicht allein bewältigen. Internationale Hilfe ist dann eine Frage von Leben und Tod. Beim Erdbeben in Ecuador trat sofort der Europäische Zivilschutz-Mechanismus auf den Plan – ein Netzwerk von mehr als dreißig Ländern.

“Der europäische Krisenmechanismus hat sofort Rettungsteams geschickt”, berichtet der EU-Katastrophenhelfer Denis Lopez. “Spanien war zuerst zur Stelle, und dann ein ungarisches Team. Die waren von einem Tag auf den anderen da.”

Die ersten drei Tage sind entscheidend

Die Rettungskräfte kamen in den entscheidenden ersten drei Tagen nach dem Hauptbeben. In diesem Zeitraum können noch gut 80 Prozent der Opfer lebend unter Trümmern geborgen werden.

Aid Zone - Ecuador

Den meisten noch stehenden Gebäuden droht die Abrissbirne

Als wir knapp zwei Wochen nach dem Beben zum Dreh in Portoviejo eintrafen, war diese erste Nothilfe schon zu Ende, nun ging es um technische Begutachtung. Wir begleiteten ein italienisches Team, das ebenfalls unter der Ägide des EU-Zivilschutzes im Katastrophengebiet arbeitete.

“Wir sind hier, um die Schäden an den Gebäuden zu bewerten”, erklärt Roberto Lupica, der das Team anführt. “Wir schätzen ab, welche Gefahr sie darstellen können, vor allem bei einem Nachbeben mit derselben Stärke wie das Hauptbeben. Wir überprüfen etwa 70 Gebäude pro Tag.” Die meisten der so überprüften Gebäude in Portoviejo wurden gelb oder rot eingestuft – schwer beschädigt – oder ein Fall für die Abrissbirne.

Εtliche Besitzer kommen um den Abriss nicht herum. Eine schlimme Nachricht für die Familie von Julissa: “Meine Mutter lebte von den Mieteinnahmen. Und wir haben nicht genug Geld, um dieses Haus wieder aufzubauen.”

Ähnliche Szenen in der nahegelegenen Stadt Manta. Die Bewohner dürfen abwechselnd in ihre Häuser und Wohnungen zurück, um vor dem Abriss ihr letztes Hab und Gut herauszuholen.

Eine Million Euro für erste humanitäre Hilfe von der EU

In Portoviejo, in einem behelfsmäßigen Zeltbüro, besuchen wir die europäische Koordinierungsgruppe. Sie entsendet die jeweiligen Teams zur Unterstützung der örtlichen Behörden. Alle Informationen zum Erdbeben werden hier gesammelt. Juliàn Montero Caballero vom EU-Zivilschutzmechanismus erläutert: “Die EU-Koordinierungsgruppe besteht aus neun Experten aus acht Ländern. Das italienische Team kümmerte sich nur um die Baustatik, das französische Team um Baustatik und Wasseraufbereitung, drei britische Experten kamen ebenfalls für die Baustatik.”

Die EU stellte eine Million Euro für erste humanitäre Hilfe bereit – zunächst, um lebensrettende Maßnahmen wie Wasser- und Nahrungsmittelverteilung zu finanzieren.Knapp 350.000 Lebensmittelpakete wurden allein in den ersten zwei Wochen nach dem Beben verteilt. Die ecuadorianische Armee gab in ländlichen Regionen Essenspakete mit Dreitagesrationen aus, koordiniert vom Welternährungsprogramm.

Eins der größten Probleme nach dem Beben war die Trinkwasserversorgung. Französische Experten kamen eine Woche nach der Katastrophe in der Stadt Chone an und verteilten Hunderttausende Liter Trinkwasser an die Bewohner.

Schnelle, effiziente Katastrophenhilfe ist auch das Fundament für den nächsten Schritt: den Wiederaufbau.

Weitere Informationen dazu:

www.gestionderiesgos.gob.ec/informes-de-situacion-actual-terremoto-magnitud-7-8/

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