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Brasilien: Kawahiva-Indianer "kurz vor dem Aussterben"

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Die Nichtregierungsorganisation Survival International fürchtet um die Zukunft der Kawahiva-Indianer. Dieser kleine Stamm – er wird auf 25 bis 50 Mitglieder geschätzt – lebt, weitgehend ohne Kontakt zur Außenwelt, im Amazonas-Urwald Brasiliens. “Allerdings wird sein Lebensraum immer kleiner.” Besonders die Rodung des Regenwalds stellt für das Volk eine existentielle Bedrohung dar. Nicht nur, weil ihr Lebensraum verschwindet, auch bringen die Holzfäller, die Rinderzüchter und Bergarbeiter Krankheiten mit sich, gegen die die Kawahiva keine Abwehrkräfte haben, so Survival International. Die Indianer stünden “kurz vor dem Aussterben”, so die NGO.

Im April erreichte Survival International einen Teilerfolg: Brasiliens damaliger Justizminister Eugênio Aragão unterzeichnete ein Dekret, mit ein gut 4000 Quadratkilometer großes Gebiet, in dem die Kawahiva leben, unter Schutz gestellt werden sollte. Doch ob das Dekret umgesetzt wird, ist unsicher.

Die politische Krise im Land hat die alte Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff fortgefegt, und die neue, zunächst für sechs Monate eingesetzte Übergangsregierung von Michel Temer sei eine schlechte Nachricht für die Kawahiva und alle indigenen Völker Brasiliens, so Sarah Shenker von Survival International. “In der neuen Regierung sitzen viele Politiker mit Verbindungen zur Agrar-Lobby Brasiliens”, so die Aktivistin gegenüber euronews. Diese Politiker versuchten, solche Schutzgebiete zu verhindern und die Gesetze so zu verändern, dass die Landrechte indigener Völker eingeschränkt würden.

“Die unkontaktierten Völker sind die schwächsten Menschen der Erde”, so Shenker. “Wir wissen nur sehr wenig über sie. Es gibt rund 100 von ihnen auf der Welt. Doch sie werden von Gewalt, die von außen kommt, ausgelöscht.” Allen unkontaktierten Völkern drohe eine Katastrophe, wenn ihr Land nicht geschützt werde, so Shenker.

Das Gebiet der Kawahiva liegt im Bundesstaat Mato Grosso, es trägt den Namen “Rio Pardo” und ist etwa doppelt so groß wie das Saarland. Zu groß für so wenige Menschen, sagen etwa Vertreter der Holz- und Viehindustrie. “Die Kawahiva brauchen dieses Land”, hält Shenker dagegen. “Es ist nicht zu viel Land. Der Grund, warum es nur so wenige von ihnen gibt, ist, dass ihre Vorfahren massakriert wurden und an Krankheiten starben, die von den Holzfällern eingeschleppt wurden.” Seit Jahren seien die Mitglieder dieses kleinen Volkes auf der Flucht vor Gewalt, vor Raubbau und der Vernichtung ihres Lebensraums.

Die Region gilt als eine der gewalttätigsten in Brasilien, als eine, in die der Arm des Gesetzes kaum hineinreicht. “Die Invasion des Territoriums war sehr intensiv”, sagt Elias Bigio von Brasiliens staatlicher Indigenenbehörde Fundação Nacional do Índio (FUNAI). “Die Eindringlinge gehen sehr aggressiv vor. Sie haben keine Angst und keinen Respekt vor nichts”, so Bigio, der nach der Ankündigung des Justizministeriums Racheakte von Holzfällern fürchtet. Und das ist keine irreale Furcht. FUNAI-Mitarbeiter wurden bereits direkt von einer Holzfirma bedroht, die, so berichtet es die Behörde, zugleich die Kawahiva mit niedrig fliegenden Flugzeugen, mit Rodungen in der Nähe ihrer Siedlungen, mit dem Bau von Straßen in Angst und Schrecken versetzt habe.

Auch haben Holzfäller FUNAI vorgeworfen, die Kawahiva absichtlich in dem Gebiet angesiedelt zu haben; und wieder andere Vertreter der Agrar-Lobby wollten – mit Unterstützung lokaler Politiker – die Existenz der Kawahiva schlicht vollständig leugnen. Wie geht es nun weiter für die Kawahiva und die Menschen, die für ihren Schutz kämpfen? Die Lage ist vollkommen ungewiss. Das Dekret ist zwar da, unterzeichnet von einem nicht mehr amtierenden Minister. Aber damit es im Kraft tritt, muss es erst noch vom Präsidenten unterschrieben werden. Und dieser Präsident ist seit dem 12. Mai der wirtschaftsfreundliche Michel Temer.

Video über die Kawahiva von Survival International

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