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UN-Weltnothilfegipfel in Istanbul: große Ambitionen und harsche Kritik

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UN-Weltnothilfegipfel in Istanbul: große Ambitionen und harsche Kritik

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Viele Appelle waren auf dem ersten UN-Weltnothilfegipfel in Istanbul zu hören: Staaten, Organisationen und Unternehmen hatten sich zum Ziel gesetzt, die humanitäre Hilfe neu zu strukturieren, um eine bessere Antwort auf die schlimmste humanitäre Krise seit dem Zweiten Weltkrieg zu entwickeln. Experten fordern ein Paradigmenwechsel weg von der Krisenreaktion hin zur Vorsorge. Die stellvertretende UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Kate Gilmore sagte:

“Ein Dollar, der jetzt in die Umsetzung der Menschenrechte investiert wird, spart später Zehntausende Dollar. Wir müssen von dem kurzfristigen Ansatz der humanitären Hilfe wegkommen und zu einer langfristigen Unterstützung mit Mitgefühl wechseln, damit die Welt auf Dauer sicherer wird.”

Unter anderem wurde auf dem Gipfel vereinbart, die Verwaltungskosten der humanitären Hilfe zu verringern und ab 2020 beispielsweise 25 Prozent der Finanzmittel direkt lokalen und nationalen Hilfsorganisationen zur Verfügung zu stellen.

“Finanzielle Hilfe ist der Ausdruck von etwas viel Größerem. Es geht nicht nur ums Geld, es geht auch um die Anerkennung des Umfangs und der Größe der vor uns liegenden Herausforderungen. Wir alle wollen jetzt ein besseres System der humanitären Hilfe, wir alle wollen Effizienz und weniger Verwaltungskosten. Und vor allem wollen wir alle Ergebnisse und bessere Unterstützung für die Menschen in Not”, so Elhadj As Sy, Generalsekretär Internationale Föderation des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes.

Ein Schwerpunkt des zweitägigen Treffens waren Kinder. Im Durchschnitt werden nur zwei Prozent der weltweiten humanitären Hilfe für Bildung benutzt. Trotz wachsender Bedürfnisse, haben sich die Mittel für Bildung von Kindern in Not seit 2010 halbiert. Ein Grund für die EU, Bildung zu einer Priorität zu machen.

“Ich habe bereits entschieden, unser Budget für Bildung von Kindern in Not zu vervierfachen, denn Bildung ist ein Schutzschild gegen Radikalisierung, gegen Zwangsrekrutierung, Zwangsheirat und natürlich die Grundlage für alles andere”, so Chystos Stylianides, EU-Kommissarfür humanitäre Hilfe und Krisenmanagement.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen boykottierte das Treffen: Der Gipfel sei ein “Feigenblatt”, man sei nicht in der Lage, Staaten für das Anzetteln und Zementieren von Krisen zur Verantwortung zu ziehen. Auch vor Ort wurden kritische Stimmen laut:

“Für das Nichtagieren Europas würde ich das serbische Beispiel nehmen, als es keine Entscheidungen gab, wie man Flüchtlinge und Migranten kategorisiert und mit ihnen umgeht. Deshalb gab es große Flüchtlingsströme durch Serbien”, sagte Irena Vojáčková, Leiterin des UN-Entwicklungsprogramms Serbien.

Weltweit sind 125 Millionen Menschen von Katastrophen und Konflikten betroffen. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon forderte, die Zahl der vertriebenen Flüchtlinge bis zum Jahr 2030 zu halbieren.

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