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Drogen in Europa: 5 neue Trends

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Drogen in Europa: 5 neue Trends

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Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht legt diese Woche ihren jüngsten Bericht über Rauschmittelkonsum in Europa vor. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse und zeichnen sich konkrete Trends ab?

Zwar preist die europäische Beobachtungsstelle ihren Bericht als “einzigartig”, doch die einbezogenen Daten sind nicht immer vergleichbar, so stammen beispielsweise nicht alle Erhebungen aus demselben Zeitraum.

Amsterdam und Antwerpen machen mit gestiegenem MDMA-Konsum auf sich aufmerksam

Der Konsum von MDMA, das am häufigsten in Form von Ectasy-Tabletten, aber auch in Kristall- und Puderform existiert, steigt europaweit an.

Auch wenn die Datenlage bei weitem nicht vollständig ist: In den Ländern, in denen seit 2013 Untersuchungen durchgeführt wurden, verzeichnen 75 Prozent einen Anstieg im Konsum des Rauschmittels.

In Belgien und den Niederlanden fiel der erhöhte Konsum von MDMA bei Abwasseranalysen auf: Wissenschaftler hatten für eine Studie im Jahr 2015 die Abwässer verschiedener, europäischer Großstädte analysiert und dabei Spuren synthetischer Drogen nachgewiesen. Eine besonders große Menge von MDMA fand sich im Abwasser von Amsterdam und Eindhoven.

Schätzungen von 2014 gehen davon aus, dass 5,5 Prozent der zwischen 15-und 34-Jährigen im Jahr 2014 in den Niederlanden MDMA zumindest ausprobiert habe. Die europäische Beobachtungsstelle berichtet, dass MDMA inzwischen im “Mainstream” angekommen – und nicht mehr nur auf die Dance-Musik-Szene beschränkt sei.


Wachsende Sorge: Homosexuelle Männer spritzen “Crystal Meth”

Der Bericht sieht einen Handlungsbedarf im Bezug auf einen Anstieg von neuen HIV-Infektionen unter Homosexuellen, die sich “Crystal Meth” injizieren:

“Das Spritzen von Aufputschmitteln, die mit einem hohen Niveau an sexueller Risikobereitschaft einhergehen”, bereite zunehmend Sorge. Das sei der Fall in “Gruppen von Männern in einigen europäischen Städten, die sexuelle Kontakte mit anderen Männern pflegen. Deshalb sollte es zielgerichtete Maßnahmen und gemeinsame Antworten auf dieses Problem geben”, so der Bericht weiter.


Geteiltes Europa: Ost-West-Gefälle beim Drogenkonsum

Zwischen Ost- und Westeuropa existiert – so der Europäische Drogenbericht 2016 – ein interessanter Unterschied.

In west- und südeuropäischen Ländern wird mehr Kokain konsumiert als Nord- und Osteuropa. Dort sind Amphetamine die präferierten Drogen.

Die Abwasseranalysen einer Studie von 2015 zeigten, dass Kokainspuren in Belgien, Spanien, den Niederlanden und Großbritannien am höchsten waren.

In Skandinavien und anderen europäischen Ländern steht der Konsum von Amphetaminen an der Spitze, nur in Tschechien und der Slowakei laufen Methamphetamine (zu denen auch “Crystal Meth” zählt) den Amphetaminen den Rang ab.


Wachsende Probleme mit “neuen psychoaktiven Substanzen”

Eine neue Herausforderung im Zusammenhang mit Drogen in Europa ist die Menge der sogenannten “neuen psychoaktiven Substanzen”, auch NPS, “Legal Highs” oder “Badesalzdrogen” genannt, die den europäischen Markt überfluten.

Die synthetisch hergestellten Substanzen enthalten hauptsächlich Cannabinoide (THC) und sollen einen Cannabis-ähnlichen Rauschzustand erzeugen. Jedes Jahr kommen zwischen 20 und 30 neue Kräutermischungen und Badesalze hinzu, die legal auf dem Markt zu erwerben sind.

Im Bericht ist dazu zu lesen: “Synthetische Cannabinoide werden als legaler Ersatz für Cannabis verkauft und oft als “exotische Duftmischungen” angepriesen, die mit dem Hinweis “Nicht für menschlichen Verzehr” versehen sind, um Verbraucherschutz- und Betäubungsmittelgesetze zu umgehen.

Erst im Februar 2016 hat die EBDD eine Warnung gegen den Konsum des synthetischen Cannabinoids MDMB-CHMICA ausgesprochen. Es soll für den Tod von 13 Menschen verantwortlich sein.


Mehr Therapien wegen Problemen mit Cannabis

Cannabis bleibt die beliebteste illegale Droge in Europa. Fast ein Prozent der Bevölkerung auf europäischen Kontinent konsumiert sie täglich.

In Tschechien konsumieren nach Schätzungen fast ein Viertel aller jungen Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren regelmäßig Cannabis (23,9 Prozent).

Der Import des Cannabis aus verschiedenen Ursprungsländern und Eigenanbau in Europa erschweren die Durchsetzung von Rechtsvorschriften, so der Bericht weiter.

Eine weitere Herausforderung sei die steigende Behandlungsnachfrage aufgrund von Cannabis-Konsum. Die Anzahl derjenigen, die sich deswegen behandeln ließen, ist von 45.000 Personen im Jahr 2006 auf 69.000 Personen im Jahr 2014 gestiegen.

Der Bericht kommentiert: “Die Gründe für eine steigende Behandlungsnachfrage wegen Cannabis-Konsums sind unklar. Sie können möglicherweise auf eine Zunahme der Cannabis-Verfügbarkeit und andere Faktoren, wie sie Verfügbarkeit weiterer noch schädigenderer Produkte oder die Verfügbarkeit von Behandlungsmethoden zurück geführt werden.”

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