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Jemen: Hoffnung für inhaftierte Kinder?

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Jemen: Hoffnung für inhaftierte Kinder?

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In einem ersten Schritt der Annäherung bei ihren Friedensgesprächen haben die Konfliktparteien im Jemen grundsätzlich die “bedingungslose Freilassung” von Kinder-Gefangenen vereinbart.

Wie der UN-Sondergesandte Ismail Ould Sheikh Ahmed an diesem Montag mitteilte, wurde bei den Verhandlungen in Kuwait ein Grundsatzabkommen über die “bedingungslose Freilassung von Kindern” getroffen, die auf beiden Seiten im Zuge der Kampfhandlungen gefangen genommen wurden.

Damit reagierte zumindest eine der beiden Konfliktparteien möglicherweise auf erhöhten Druck der Vereinten Nationen.

Erst Ende vergangener Woche hatten die UN die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition im Jemen auf die Schwarze Liste der Verletzer von Kinderrechten gesetzt.

Begründung: Die Koalition sei für den Tod von Hunderten Kindern verantwortlich, erklärte die UN-Sonderbeauftragte für Kinder und bewaffnete Konflikte, Leila Zerrougui.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon präzisierte, die saudisch geführte Koalition habe 60 Prozent der im Jemen getöteten oder verletzten Kinder auf dem Gewissen. Die Hälfte ihrer Attacken habe Schulen und Krankenhäusern gegolten. Der Konflikt habe Gewalttaten gegen Kinder eskalieren lassen.

Saudi-Arabien wies die UN-Darstellung zurück. Die Informationen der UN basierten auf Angaben von Gegnern Saudi-Arabiens, hieß es in Medienberichten. Zudem hätten die UN wichtige Informationen der von Saudi-Arabien unterstützten jemenitischen Regierung in dem Report nicht berücksichtigt.

Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch schaltete sich ein. Sie forderte bereits am 2. Juni 2016 über die Freilassung aller inhaftierten Kinder hinaus, dass beide Seiten auf die Rekrutierung von Kindersoldaten verzichten. Die UN hatten im Jahr 2015 fast 800 Anwerbungen von Kindersoldaten dokumentiert, die meisten davon auf Seiten der Houthi-Rebellen. Dies entspreche einem fünffachen Anstieg gegenüber den Zahlen von 2014.

Seit schiitische Houthi-Rebellen Anfang 2015 große Teile des Jemen überrannt haben, herrscht dort Bürgerkrieg. Mittlerweile sind im Land den UN zufolge mehr als 2,7 Millionen Menschen vertrieben. Über 21 Millionen Menschen bräuchten humanitäre Hilfe – das sind mehr als 80 Prozent der Bevölkerung. Es fehle an Lebensmitteln, sauberem Wasser und medizinischer Versorgung.

Laut UN sind im Jahr 2015 10.000 jemenitische Kinder unter fünf Jahren durch “vermeidbare Krankheiten” wie Durchfall oder Lungenentzündung ums Leben gekommen.

Eine erfolgreiche Umsetzung der Grundsatzeinigung über die Freilassung von inhaftierten Kindern wäre das erste konkrete Ergebnis der seit dem 21. April laufenden Friedensgespräche zwischen den Houthi-Rebellen und der von Saudi-Arabien geführten Koalition.

Mehr über die Situation im Land können Sie im euronews “Jemen-Spezial” erfahren:

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