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Alkantara Festival 2016: Punk, Boxkampf und Kirschgarten

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Alkantara Festival 2016: Punk, Boxkampf und Kirschgarten

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Darstellende Kunst in ihrer ganzen Bandbreite feiert das Alkantara Festival in Lissabon. Ursprünglich als reines Tanzfestival erschaffen, widmet es sich heute allen erdenklichen Ausdrucksformen, die die Welt, in der wir leben hinterfragen.

Was bedeutet Fortschritt in einer zunehmend digitalisierten Welt? Und wie kann Theater, diese uralte kollektive Kunstform, die Gesellschaft erfassen oder gar verbessern?

Antworten auf diese und andere Fragen gibt das Festival. Der Belgier Thomas Walgrave ist seit 2009 künstlerischer Direktor.

Thomas Walgrave: “Wir versuchen, den Künstlern den Vorrang zu geben, die das Meiste aus dieser Live-Situation herausholen, und dass es immer auch einen Unsicherheitsfaktor gibt, je nachdem, wie das Publikum jeden Abend reagiert. Ein Wort oder eine Geste sorgt für unterschiedliche Reaktionen. Es ist ein fortlaufender Dialog, der einzigartig ist, denn jede Vorstellung ist anders.”

“This is How we Die”

“This is How we Die” (So sterben wir) heißt die Show des kanadischen Autors und Performers Christopher Brett Bailey. Ein messerscharfer Monolog, mit Texten über Liebe, Sex und Tod, der mit einer lautstarken Musik- Performance endet.

Christopher Brett Bailey: “Ich hatte ein paar Texte geschrieben, die mir gut gefielen. Aber als vollkommen unbekannter Autor gab es kaum Aussicht auf Veröffentlichung. Deswegen begann ich, meine Poesie bei Theaterabenden vorzulesen und stieß auf starke Reaktionen. Daraufhin beschlossen wir, eine Produktion mit den Texten auf die Beine zu stellen. Und weil das Stück ziemlich stark an der amerikanischen Avantgarde- und frühen Punk-Literatur angelehnt ist, erschien es nur natürlich, eine Punkband in die Show einzubauen.”

“Monday: Watch out for the Right!”

In Monday: Watch out for the Right! steigt die portugiesische Choreografin Cláudia Dias mit dem spanischen Schriftsteller und Regisseur Pablo Fidalgo Lareo in den Boxring. Die Performance verknüpft zwei Ereignisse des Jahres 1974. Den legendären Boxkampf zwischen George Foreman und Muhammad Ali – und die portugiesische Nelkenrevolution. Worte und Fäuste prasseln aufeinander.

Cláudia Dias: “Das ist eine wunderbare Metapher für den sozialen Kampf. Das ist die Art von Kampf, die wir heute in Europa und dem Rest der Welt weiter entwickeln müssen. Mit ‘wir’ meine ich Demokraten, Humanisten. Diese Art von Sprache ist unerlässlich, um diese Idee des Kampfs auszudrücken.”

“Der Kirschgarten”

Auch Teschechows Bühnenklassiker “Der Kirschgarten” steht beim Alkantara Festival auf dem Programm, neu interpretiert von der belgischen Kompanie tg STAN. Die Besonderheit der Truppe: Das 1989 in Antwerpen gegründete Kollektiv kommt ganz ohne Regisseur aus.

Tschechows unerschöpfliches Meisterwerk sei bis heute aktuell, erklärt Schauspieler Frank Vercruyssen. “Es sind klassische, also universelle Texte, was bedeutet, dass man sie zu jeder Epoche auf die Bühne bringen kann, denn sie handeln vom Hier und Jetzt. Genau danach haben wie in Tschechows Text gesucht. Wir wollten keinesfalls etwas aus dem 19. Jahrhundert darstellen, sondern etwas Aktuelles, mit einem Text aus dem 19. Jahrhundert in der Hand.”

Und genau dieser Kirschgarten stieß in Lissabon auf großen Applaus, wie euronews-Reporter Wolfgang Spindler berichtet. “Wenn’s gefällt, wird im Theater applaudiert und nicht per Mausclick ‘gelikt’. Gemeinsam eine Theateraufführung genießen, hat seit den alten Griechen nichts an seiner Faszination verloren.”

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