Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Italien: Empörung über "Mein Kampf" als Zeitungsbeilage

welt

Italien: Empörung über "Mein Kampf" als Zeitungsbeilage

Werbung

ALL VIEWS

Tap to find out

Die konservative Mailänder Zeitung “Il Giornale” hat Adolf Hitlers “Mein Kampf” seiner Samstagsausgabe beigelegt und damit einen politischen Skandal in Italien ausgelöst. Die Zeitung erschien zum erhöhten Preis in Kombination mit dem Buch “Aufstieg und Fall des Dritten Reichs” von US-Journalist William L. Shirer und einem Nachdruck der 1939 erschienenen italienischen Ausgabe von Hitlers Kampfschrift.

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi erklärte über Twitter: “Es ist abscheulich, dass eine italienische Zeitung Mein Kampf von Adolf Hitler verschenkt. Ich umarme die Jüdische Gemeinde liebevoll.”

Die Vereinigung der jüdischen Gemeinden in Italien kritisierte die Beilage als unanständig.

Der “Il Giornale”-Chefredakteur Alessandro Sallusti argumentierte in einem Leitartikel, es gehe darum, das Böse zu studieren, um zu verhindern, dass es erneut passiere.

Passanten in Rom reagierten unterschiedlich:

“Die Entscheidung ist in Ordnung, um diese Ära der Geschichte zu verstehen. Und nur dafür.”

Polizist Giovanni Palermo aus Sizilien sagte:

“Er war Hitler. Offensichtlich handelte es sich um das absolut Böse. Man sollte diese Tatsachen nicht verdrängen oder vergessen, um etwas Ähnliches für die Zukunft auszuschließen.”

Die Chefredaktion erklärte zu ihrer Verteidigung weiter, dass “Il Giornale” nur dasselbe tue wie das Institut für Zeitgeschichte in München, nachdem die Urheberrechte an Hitlers Buch erloschen seien.

Das Münchner Institut hatte zu Jahresbeginn eine umfassende wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe von “Mein Kampf” veröffentlicht. In der fast 2000 Seiten starken Neuauflage finden sich über 3500 Anmerkungen und Fußnoten. Über 65000 Exemplare wurden bislang verkauft (Stand nach der 4. Auflage).

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die US-Regierung die Urheberrechte von “Mein Kampf” an den Freistaat Bayern übertragen. Am 1. Januar waren die Rechte ausgelaufen.

ALL VIEWS

Tap to find out

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden.euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

Nächster Artikel