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Islamistische Gruppe verkündet Ermordung kanadischer Geisel auf den Philippinen

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Islamistische Gruppe verkündet Ermordung kanadischer Geisel auf den Philippinen

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Auf den Philippinen hat die Islamisten-Milliz Abu Sayyaf nach eigenen Angaben einen Kanadier ermordet. Als Grund gab die Organisation an, ein Ultimatum für ihre Lösegeldforderung von mehreren Millionen Euro sei verstrichen.

Philippinische Behörden bestätigten die Ermordung bisher nicht. Der Sprecher der Armee, Noel Detoyato, sagte, die Truppen würden ihre Befreiungsaktion ungehindert fortsetzen. Kanadas Premierminister Justin Trudeau teilte im Internet mit, die kanadischen Behörden versuchten, die Information über den Tod der Geisel zu überprüfen.

Rückblick: Entführung der Familie Wallert

23. April 2000 Auf der malayischen Urlaubsinsel Sipadan entführt die islamistische Gruppe Abu Sayyaf 21 Menschen. Unter ihnen ist auch das Göttinger Ehepaar Renate und Werner Wallert und deren erwachsener Sohn Marc. Sie werden mit Schnellbooten auf die philippinische Insel Jolo verschleppt.

27. Mai Erste direkte Verhandlungen. Regierungsunterhändler weisen die Forderung der Abu Sayyaf nach einem separaten islamischen Staat zurück. Die Islamisten inszenieren ein Medienspektakel: Sie laden Reporter ein, halten Pressekonferenzen ab, die Bilder der ausgehungerten und kranken Geiseln gehen um die Welt. Der Geographielehrer Werner Wallert sagt später: "Ihr primäres Interesse war Öffentlichkeit herzustellen. Die Abu Sayyaf wollte weltweit bekannt werden und das haben sie geschafft."

17. Juli Renate Wallert kommt frei.

20. August Weitere Geiseln werden freigelassen.

27. August Gegen Zahlung von einer Million Dollar pro Kopf durch Libyen kommen Werner Wallert und vier Frauen auf freien Fuß.

09. September Marc Wallert und weitere Geiseln kommen nach viereinhalb Monaten frei.

Werner Wallert hat die Erlebnisse in seinem Buch Horror im Tropenparadies verarbeitet.

(DPA)

Tötung weiterer Geiseln angekündigt

Der Kanadier war im September 2015 auf der Ferieninsel Samal entführt worden. Die Islamisten hatten die Ermordung von drei Geiseln für heute angekündigt, unter ihnen auch ein Norweger und eine Philippinerin. Bereits im April hatte die Abu Sayyaf einen Kanadier enthauptet. Mehrere Geiseln sollen sich noch auf der Insel Jolo aufhalten, wo die Abu Sayyaf vor sechzehn Jahren auch die deutsche Familie Wallert hinverschleppt hatte.


Lage der Insel Jolo, Philippinen

Abu Sayyaf hält dem sogenannten Islamischen Staat die Treue. Der künftige Präsident der Philippinen Rodrigo Duterte hatte den Entführern gedroht. Er gilt als Hardliner im Kampf gegen Kriminalität. Kritiker werfen ihm vor, Todesschwadronen zu dulden, die Kleinkriminelle jagen. Mit dem Versprechen, die Kriminalität auf den Philippinen binnen eines halben Jahres zu unterbinden, hatte der Populist Duterte die Wahl mit großem Vorsprung gewonnen. Dazu will er unter anderem die 2006 abgeschaffte Todesstrafe wieder einführen.

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