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Videokonferenz zwischen Ärzten verkürzt Wartezeiten für Parkinson-Patienten

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Videokonferenz zwischen Ärzten verkürzt Wartezeiten für Parkinson-Patienten

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Eine kleine, recht simple Änderung der Kommunikationswege unter Ärzten in Stockholm hat die Wartezeiten für Parkinson-Patienten von sechs Monaten auf nur eine Woche verringert. Statt wie zuvor per Brief kommunizieren die Ärzte nun per Videokonferenz miteinander.

Pioniere dieser Methode sind zwei Neurologen, Anders Johansson vom Karolinska Universitätskrankenhaus und Christian Carlström von der Klinik für Neurologie in Stockholm.

Sie halten jetzt wöchentlich Videokonferenzen ab, um abzusprechen, ob die Behandlung von Carlströms Parkinson-Patienten umgestellt werden muss. Er holt eine zweite Meinung ein. Früher tat er das per Brief, hatte mit Johansson keinen mündlichen Kontakt. Johansson beziffert den Zeitgewinn mit der neuen Methode auf gut eine Stunde und mehr: “Ich brauche jetzt 15 Minuten statt eine oder zwei Stunden wie sonst, wenn der Patient zu mir geschickt wird und ich dann weitere Details und Folge-Infos per Telefon usw. zusammensuchen muss.”

Wartezeiten verkürzt, Überweisungen verringert

Der Umstieg von Brief auf Videokonferenz zwischen behandelnden Ärzten und Spezialisten hat laut Karolinska-Institut die Wartezeiten für einen Termin beim Spezialisten verkürzt, weil diese Zeit einsparen und für weitere Termine zur Verfügung stehen, und außerdem unnötige Überweisungen verringert.

Patienten, die über Wartezeiten von sechs Monaten bis gar zwei Jahre für den Termin beim Spezialisten klagen, sehen den neuen Weg als effizienter an. Eine einzige Einschränkung, so Inger Lundgren von der schwedischen Vereinigung von Parkinson-Patienten: “Es besteht immer die Gefahr, wenn zwei Neurologen sich absprechen, dass dies über den Kopf des betroffenen Patienten hinweg geschieht. Und es ist sehr wichtig, dass der Parkinson-Patient von Anfang an mit eingebunden wird – das ist ein kleines Risiko.”

Kostenerstattung für Video-Sprechstunde muss klar geregelt sein

Gesundheitssysteme brauchen ihre Zeit, um digitale Neuerungen umzusetzen. Daniel Forslund, für Digitalisierung des Gesundheitswesens in Groß-Stockholm zuständig, weiß, dass es aber auch ums Geld geht: “Wenn ein Krankenhaus oder eine Klinik eine digitale oder virtuelle Besprechung nicht erstattet bekommt, wird es natürlich immer nur den traditionellen Sprechstundetermin vergeben. Deshalb müssen wir unsere Regeln flexibler und offener gestalten, damit die Mitarbeiter des Gesundheitssystems ausprobieren können, was am besten für den Patienten ist.”

Christian Carlström sieht gute Möglichkeiten, diese Art Videokonferenz auszuweiten und auch mit den Patienten abzuhalten: “Der Patient hat eine Kamera und Video-Ausrüstung zu Hause und könnte einfach zwei- bis dreimal täglich online sein, jedesmal fünf Minuten. Ich könnte ihn oder sie dann fragen, wie geht es, zeigen Sie mir mal Ihre Bewegungen, ist es jetzt besser?”

Warum man nicht früher auf diese Methode gekommen ist, fragt sich auch sein Kollege Anders Johansson. Aufgrund der guten Erfahrungen in Stockholm folgen nun andere Neurologen in Schweden dem Beispiel.

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